Beratung & Innovation
Lösungen & Technologien
Infrastruktur & Betrieb
Branchen
Mehr
Blog
shutterstock_604017461_Stage

Produktserialisierung in einem Milliardenmarkt: Jedes Käse-Rad ein Unikat!

Der weltweite Kampf gegen Lebensmittelfälschungen

Echtheit & Qualität: Milchprodukte werden digital gekennzeichnet
11.08.2021
Digitale Transformation
Handel & Konsumgüter
Fälschungssicherheit
Logistik
Supply Chain Management

Milch, Laktose und die Toleranz – schon ein Thema vor 7.500 Jahren


Erst seit gut 7.500 Jahren trinkt der Mensch Tiermilch. Lange Zeit davor war es nicht möglich, die Milch für den Menschen trinkbar zu machen. Es fehlte die Kühlung, das Wissen zu Hygiene und auch mit Laktoseintoleranz hatte er zu kämpfen. Der Mensch war der Milch gegenüber intolerant, verantwortlich war die Laktose in der Milch. Dadurch war diese Rohmilch nicht zum direkten Verzehr geeignet. Die Milch wurde deshalb vor vielen tausend Jahren meist nur erhitzt und zu Käse verarbeitet - zuckerfrei! Die Laktosepersistenz hat sich erst durch eine Genmutation in Südosteuropa verbreitet und die Milch war für den Menschen trinkbar.


Quelle: Johannes Gutenberg Universität Mainz


Die Mönche und der Milchmann


Zu dieser Zeit und auch im späteren Mittelalter, als die Mönche die Milchverarbeitung sozusagen immer weiter professionalisiert hatten, konnte der Bedarf der Bevölkerung abgedeckt werden. Später erst entstanden Landwirtschaften mit einer größeren Milchproduktion für den Handel.  Sogar die Berufssparte der Milchmänner entstand und den Haushalten wurde die frische Milch bis vor die Haustüre geliefert - immer das gleiche Produkt mit gleichbleibender Qualität. Heutzutage hat man vor dem Kühlregal die Qual der Wahl. Es gibt Milchsorten in allen Variationen, mit unterschiedlichsten Fettgehalten, Haltbarkeiten, Geschmacksrichtungen und pflanzlichen Milchalternativen, z.B. aus Soja, Mandel, Kokos oder Hafer. Aufgrund neuer Technologien sind der Herstellung von Milchprodukten kaum mehr Grenzen gesetzt.


Quelle: Molkerei Weihenstephan


Umsatzsteigerungen mit Milchprodukten? Alles Bio, oder was?


Der Milchmarkt ist groß, die Milchproduzenten kämpfen um den besten Platz im Kühlregal, fast jeden Monat gibt es ein neues Produkt, das 'müde Männer munter macht' - und noch viel munterer! Der Milchmarkt und sein Marketing sind kreativ. Hohe Umsatzsteigerungen werden meist nur durch neue Lifestyle-Produkte erreicht. Dazu gehören auch alle Varianten von Bio-Milchprodukten. Ein Produkt mit dem Bio-Gütesiegel suggeriert Qualität schon bei der Tierhaltung, beim Futter und in der Produktion. Trotz höherer Preise ist die Nachfrage nach Bio-Produkten ungebrochen hoch. Das will sich jeder zu Nutze machen!


Der Bio-Boom und seine Auswirkungen


Bio ist bereits ein Milliardenmarkt. Eine hohe Anzahl an konventionellen Milchlieferanten wurde plötzlich zum Biobetrieb und hilft den Discountern den Bedarf der Konsumenten abzudecken. Schon allein in Deutschland fragt sich die Branche, "wo die viele Bio-Milch nur herkommt?" Da liegt es nahe, genauer hinzuschauen, zu recherchieren, zu prüfen, zu analysieren. Es wird vermutet, dass viele Produkte 'gestreckt' oder sogar gefälscht werden. Jeder will an diesem Milliardenmarkt partizipieren - Hersteller müssen sich schützen, die Echtheit und Qualität der eigenen Waren sicherstellen.


Quelle: Deutschlandfunkkultur.de


Lebensmittelskandale in Russland - und der Weg zum besseren Image


Milch gehört zu den meistgefälschten Lebensmittelprodukten: nach Olivenöl, Fisch, Bio-Lebensmittel, noch vor Getreide, Honig, Kaffee und Tee. Auch in Russland häuften sich die Lebensmittelfälschungen. Zahlreiche Lebensmittelskandale mit massenhaften Produktrückrufen beschädigten das Image. Dies war einer der Gründe, dass sich Russland für ein großangelegtes Programm zum Schutz vor Produktfälschungen entschieden hat - für Chestny ZNAK ('Ehrliches Zeichen'), ein nationales digitales Track & Trace-System.


Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)


Russland macht den "Rundumschlag"!


“Welches Getränk wird in Russland am häufigsten gefälscht?“ Nein, es handelt sich nicht um Wodka oder ähnliche Spirituosen. Am 8. Juli 2019 gab die Vorsitzende des Oberhauses des russischen Parlaments bei einer Sitzung bekannt, dass 80 Prozent des Mineralwassers auf dem russischen Markt gefälscht sein soll.


Quelle: MDR.de


Aber es wird wohl noch weitere Gründe geben, warum Russland den Kampf gegen Fälschungen angetreten hat. Offiziell geht es darum, durch eine umfassende Digitalisierung der Produkte die Zollabfertigung zu optimieren und den russischen Markt (Eurasische Wirtschaftsunion EAWU) vor Fälschungen zu schützen. Gesteuert wird die Umsetzung durch die zentrale Organisation Center for Research in Perspective Technologies, kurz CRPT. Über die CRPT können die Hersteller die notwendigen Crypto Codes erwerben, die für die Kennzeichnung der Produkte und schließlich für die Einfuhr/Zollabfertigung und zur Fälschungssicherheit notwendig sind. Für folgende Produktkategorien gelten diese Regelungen bereits seit mehreren Monaten: u.a. Pharma, Bekleidung, Schuhe, Tabak, Pelze, Reifen, Parfüm, … und jetzt auch für Milchprodukte. Weitere Warengruppen werden folgen.

Russia Deadlines_Stand 01.2021_tiny


Digitalisierung von Käse - das Runde muss in das Eckige


Die Dairy-Industry ist gefordert. Für fast jedes Milchprodukt, wie Käse, Joghurt, Speiseeis, etc. das in Russland auf den Markt gebracht werden soll, wird seit dem 1. Juni 2021 ein Datamatrix-Code auf dem Milchprodukt benötigt. Dieser Code beinhaltet unter anderem die Produktnummer, eine Seriennummer mit einem Crypto-Code, die Chargen-Nummer, sowie  Herstell- und Verfallsdatum. Bereits beim Import nach Russland werden diese Informationen auf den Lieferpapieren, auf der Palette und auch auf den Verpackungen benötigt.


Europäische Hersteller von Milchprodukten haben es deshalb mit komplexeren Prozessen zu tun – aber dies trifft vornehmlich auf Schweizer Käsehersteller zu, da die EU-Länder aufgrund des EU-Handelsembargos zum großen Teil nicht nach Russland exportieren dürfen. Einer der größten Käsehersteller und größter Käse-Exporteur für den russischen Markt, hat die nötigen Anforderungen bereits mit unserer Unterstützung umgesetzt. In einem stark automatisierten Produktionsprozess werden jährlich mehrere Tonnen Käse für Russland gekennzeichnet. Die LKW's verlassen die Produktionshallen, um über die russische Grenze zum russischen Großhändler zu gelangen. Von dort aus gelangen die Produkte in die Supermärkte und zu den Einzelhändlern.


Damit der Käse in den Kühlregalen stehen kann, muss bereits bei der Produktion in der Schweiz mit der Datamatrixcode-Bedruckung begonnen werden. Jedes Käse-Rad wird digitalisiert und aufgrund der Seriennummer und dem Crypto Code wird daraus ein Unikat. All die Produkt- und Herstellungsdaten werden in einem Datamatrixcode gespeichert, die zunächst beim Zoll, dann beim Großhändler oder zum Schluss vom Endkonsument per Scanner oder App ausgelesen werden können. Somit haben wir das Runde im Eckigen - die Daten des Käse im Datamatrix-Code. Ein erster Ansatz für die Sicherstellung der Echtheit ist vorhanden!


Für den Hersteller bedeutet diese Aufrüstung einen enormen Aufwand. Aber es hat sich gelohnt. Bei weitem sind noch nicht alle Milchproduzenten für den russischen Markt in der Lage, diese neuen regulatorischen Anforderungen umzusetzen – diesen Wettbewerbsvorteil gilt es zu nutzen. Denn es gibt noch weitere Milchproduktgruppen, die innerhalb der nächsten Monate gekennzeichnet werden müssen.

Fazit: Kann uns die Digitalisierung bei der Vermeidung von Fälschungen helfen?

Ja, sehr gut – aber nicht gänzlich! Die Digitalisierung von Produkten, speziell auch im Consumer Goods-Umfeld, kann helfen, um in dem milliardenschweren Markt gefälschte Produkte zu reduzieren und damit auch die Gesundheit der Menschen zu schützen. Unternehmen, die auf Digitalisierung setzen, können einen Wettbewerbsvorteil erwirken. Daten sind das 'neue Gold'!

Fälschungssicherheit

Wir unterstützen Sie mit unseren Serialisierungs- und Track & Trace-Lösungen unter anderem bei der Vermeidung von Replikas in Ihrer Supply Chain und schaffen die nötige Produkttransparenz gegen Fälschungen zum Schutz für Ihr Unternehmen und Ihren Konsumenten.

Track & Trace in der Konsumgüterindustrie

Optimieren Sie Ihre Wertschöpfungskette durch Track & Trace. Jetzt kostenfreies White Paper herunterladen!

Arvato CSDB

Die Serialisierung von Medikamentenverpackungen ist verpflichtend - Arvato System hat eine erprobte, sichere IT-Lösung zur Verifikation.

Verfasst von

MA_Oliver_Meihorst_Commerce
Oliver Meihorst
Experte für Fälschungssicherheit