Strategisches Instrument im PVS: tim+ für sichere und sektorenübergreifende Kommunikation
Von der gematik-Zulassung zur nahtlosen PVS-Integration
Für Hersteller von Praxisverwaltungssystemen (PVS) wird die digitale Kommunikation zunehmend zur strategischen Komponente ihrer Lösungen. Während insbesondere in der Pflege Messenger längst zum Arbeitsalltag gehören, erfolgt der sektorübergreifende Austausch im Gesundheitswesen vielfach noch telefonisch oder per Fax. Weniger aus Mangel an Bereitschaft, sondern weil sichere, standardisierte Kommunikationswege bislang gefehlt haben.
Mit der Weiterentwicklung der Telematikinfrastruktur (TI) ändert sich diese Situation grundlegend: TI-basierte Messenger-Dienste wie tim+ verbinden vertraute Kommunikationsformen mit hohen Anforderungen an Datenschutz, Interoperabilität und Verlässlichkeit. Der Austausch zwischen Leistungserbringern ist damit einfacher, strukturierter und erstmals konsequent sektorenübergreifend möglich.
Diese Entwicklung eröffnet PVS-Herstellern neue Spielräume: Sie können ihre Systeme gezielt modernisieren, um ihre Kunden auf eine zunehmend vernetzte Versorgung einzustellen und sie dadurch spürbar zu entlasten. Der TI-Messenger ist keine technische Spielerei, sondern der logische Schritt für eine sektorenübergreifende Versorgung im Gesundheitswesen.
tim+ im Einsatz
Für viele PVS-Hersteller ist der TI-Messenger kein neues Thema. Die konzeptionellen Grundlagen sowie die Rolle, die Messenger-Dienste perspektivisch in der sektorenübergreifenden Kommunikation spielen sollen, sind bekannt. Entscheidend sind weniger die Fragen „Ob“ als vielmehr „Wie“, „Wann“ und vor allem „Mit welchem Aufwand“.
Spätestens seit der gematik-Zulassung von tim+ ist nun der Punkt der Umsetzung erreicht. tim+ ist im gematik-Fachportal gelistet und damit offiziell Teil der Telematikinfrastruktur. Vor allem aber ist tim+ nun praktisch einsetzbar und in PVS-Systeme integrierbar. Somit wird aus einer abstrakten Perspektive ein konkretes Werkzeug für den Versorgungsalltag der über 70 Millionen GKV-Versicherten.
Diese Einordnung ist von zentraler Bedeutung, da sie den Fokus von grundsätzlichen Diskussionen hin zu realen Anwendungsszenarien verschiebt. Der Blick liegt nun auf der zuverlässigen Verfügbarkeit und dem Nutzen im Alltag, etwa bei der Terminvereinbarung, der Abstimmung zwischen Arztpraxis und Pflege, bei der Versorgung mit Heil- und Hilfsmitteln oder in der interdisziplinären Zusammenarbeit. Genau an diesen Punkten zeigt sich, welchen wichtigen Beitrag tim+ leisten kann.
Sanitätshäuser erhalten täglich Verordnungen für Hilfsmittel. Schätzungen zufolge sind davon rund 80 Prozent fehlerhaft oder unvollständig. Das führt zu
- hohem Klärungsaufwand,
- Versorgungslücken für Patientinnen und Patienten,
- Neuausstellungen der Verordnung und
- Abbrüchen im Versorgungsprozess.
In Kombination mit der ab 2026 für den Hilfsmittelbereich eingeführten eVerordnung kann tim+ erheblich zur Qualitätsverbesserung in der Versorgung beitragen. So können Nachfragen zu fehlerhaften Verordnungen einfach und schnell per Chat geklärt werden. Ärztinnen und Ärzte können direkt über einen sicheren Kommunikationskanal antworten, fehlende Angaben ergänzen oder die Verordnung korrigieren. Dadurch lassen sich Fehlerquellen und Versorgungslücken wirksam reduzieren und die Patientinnen und Patienten können schneller mit den benötigten Hilfsmitteln versorgt werden.
tim+ ermöglicht eine sichere, direkte und medienbruchfreie digitale Kommunikation mit der Arztpraxis. Über die ePA- oder die Krankenkassen-App können zukünftig Termine angefragt, Befunde geklärt oder Rückfragen gestellt werden – vollautomatisiert, unterstützt durch einen Chatbot und angebunden an die Praxissoftware. Das
- entlastet spürbar die Telefonleitungen in den Praxen,
- vereinfacht für Patienten die Absage von Terminen und reduziert damit die Zahl von No-shows,
- verringert das Anfrageaufkommen bei einfachen Rückfragen und
- liefert aktuelle Informationen an den Nutzer, dass z. B. eRezept, Laboruntersuchung, eArztbrief in der ePA zum Abruf bereitliegen.
So etabliert tim+ einen modernen, nutzerfreundlichen Standard für die Praxis-Patienten-Kommunikation. Routineprozesse lassen sich mit tim+ automatisieren und Praxisabläufe verbessern. Zudem erhalten Patientinnen und Patienten schnellere und transparentere Informationen.
Die Palliativversorgung austherapierter Patientinnen und Patienten erfordert die Zusammenarbeit vieler Akteure an unterschiedlichen Standorten: Pflegekräfte, Hausärzte, Angehörige sowie das Palliativteam. Die Folge ist eine fragmentierte Kommunikation, bei der wichtige Informationen und Zeit verloren gehen. Der Einsatz eines sicheren TI-Messengers wie tim+ bietet hier allen Beteiligten Vorteile:
Ärztinnen und Ärzte können schnell auf akute Bedarfe reagieren, die die Pflegekräfte feststellen.
Im Gruppenchat sind alle Beteiligten immer auf demselben Stand.
Die Kommunikation in dieser letzten Lebensphase der Patientinnen und Patienten erfolgt in Echtzeit.
Der gesamte Daten- und Informationsaustausch kann revisionssicher dokumentiert und archiviert werden. Er ist für nachfolgende Beteiligte wie etwa Hospiz- oder Seelsorgeteams nachvollziehbar.
tim+ jetzt testen und nachhaltig profitieren
Für viele PVS-Hersteller stellt sich noch die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt. Genau hier setzt tim+ an. Unsere Messenger-Lösung ist so konzipiert, dass sie sich einfach ausprobieren und schrittweise nutzen lässt. Der Einstieg ist bewusst leicht gehalten und ermöglicht, Erfahrungen zu sammeln, bevor weitergehende Integrationsschritte geplant werden.
Gleichzeitig lohnt sich der Einstieg, da der Nutzungskontext bei den anderen Akteuren bereits vorhanden ist. Insbesondere in der Pflege werden Messenger-Dienste bereits intensiv genutzt. Auch auf ärztlicher Seite wächst die Erwartung an sichere, TI-konforme Alternativen zu Telefon und unsicheren Kommunikationswegen. Durch den flächendeckenden Zugang der GKV-Versicherten über Apps – allein über die App der Techniker Krankenkasse sind rund 12 Millionen Versicherte angebunden – und die zunehmende Verbreitung von TI-Messenger-Diensten steht fest: Die Nutzung wird kommen und schnell zur Selbstverständlichkeit werden.
Damit bietet sich PVS-Herstellern die Chance, nicht nur zu reagieren, sondern sich auch aktiv zu positionieren. Wer tim+ testet und einbindet, kann Kunden gezielt an die neue Form der sektorenübergreifenden Kommunikation heranführen, Prozesse vorbereiten und konkrete Mehrwerte sichtbar machen. Gleichzeitig entsteht Raum zur Profilierung: durch eigene Integrationsansätze, durch passgenaue Nutzungsszenarien und durch die Fähigkeit, Kunden sicher durch den Wandel zu begleiten.
Gemeinsam machen wir Ihr PVS „tim-ready“ und gehen auch alle weiteren Schritte mit Ihnen – immer auf Augenhöhe und mit Raum für individuelle Integrationsansätze.
Arvato Systems sieht in der Interoperabilität und der sektorenübergreifenden Kommunikation der Beteiligten einen der wichtigsten Meilensteine für den Gesundheitssektor. Als Profi der Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen kennt Arvato Systems den Bedarf der Branche und stellt sich die Herausforderung, die medizinische Versorgung mithilfe digitaler Lösungen für alle spürbar zu verbessern.
Verfasst von
Isabel Mehlmann ist Produktmanagerin bei Arvato Systems und verantwortlich für den TI-Messenger „tim+“. Mit langjähriger Erfahrung im Gesundheitswesen und Projektmanagement treibt sie die digitale Vernetzung von Leistungserbringern und Versicherten engagiert voran.