SAP S/4HANA für Logistik | Stagebild

Welches Potenzial SAP S/4HANA für Ihre Logistik hat

Mehr als ein Upgrade

SAP S/4HANA für Ihre Logistik - Mehr als ein Upgrade
10.02.2026
Logistik
SAP
Digitale Transformation
Supply Chain Management

Die bevorstehende Migration von SAP ERP zu SAP S/4HANA stellt deutsche Unternehmen vor eine strategische Weichenstellung, die weit über eine routinemäßige Software-Aktualisierung hinausgeht. Mit dem Wartungsende der SAP Business Suite 7 am 31. Dezember 2027 entsteht nicht nur zeitlicher Handlungsdruck, sondern die Chance für eine fundamentale Neuausrichtung der gesamten Supply Chain-Architektur.

 

Während eine Gartner-Studie zeigt, dass nach fast zehn Jahren Verfügbarkeit nur 39% der ECC-Kunden S/4HANA lizenziert haben und 61% der deutschen Unternehmen noch unentschlossen sind, versäumen zögernde Organisationen die Gelegenheit, ihre Lieferkette zu einem strategischen Wettbewerbsvorteil zu transformieren. SAP S/4HANA ist dabei nicht der rechtliche Nachfolger der alten Business Suite, sondern ein von Grund auf neu entwickeltes Produkt, das speziell auf die Anforderungen moderner, vernetzter Supply Chains zugeschnitten ist.

SAP S/4HANA für Ihre Logistik: Das Wichtigste im Überblick

  • Zeitdruck durch Wartungsende: SAP Business Suite 7 verliert am 31.12.2027 den Standard-Support – 61% der deutschen Unternehmen sind noch unentschlossen
  • Supply Chain-Revolution: Übergang von funktionalen Silos (MM, WM, LE-TRA) zu ganzheitlichen "Lines of Business" für Ende-zu-Ende-Prozesse
  • Operative Exzellenz: Intelligente Automatisierung, KI-gestützte Prozessoptimierung und durchgängige Transparenz in der gesamten Lieferkette
  • Moderne Logistik-Lösungen: EWM als WM-Nachfolger, integriertes Transportation Management und vereinfachtes Datenmodell mit "Single Source of Truth"
  • Praxisbewährte UmsetzungJosera demonstriert erfolgreiche Integration von SAP-Kern mit Cloud-Lösungen für operative Prozessoptimierung

Das technologische Fundament: Mehr als nur Datenbank-Technologie

Moderne Systemarchitektur für operative Exzellenz

Das Herzstück von SAP S/4HANA ist eine grundlegend überarbeitete Systemarchitektur, die auf der SAP HANA-Datenbank basiert. Diese technologische Grundlage ermöglicht vor allem eines: die nahtlose Integration und Automatisierung logistischer Prozesse in Echtzeit.

 

Der eigentliche Mehrwert liegt nicht in reinen Geschwindigkeitsgewinnen, sondern in den dadurch erst möglichen neuen Prozessen: KI-gestützte Bedarfsvorhersagen können direkt in die Disposition einfließen, Bestandsoptimierungen erfolgen automatisiert auf Basis aktueller Verbrauchsdaten und Engpässe in der Supply Chain werden proaktiv erkannt, bevor sie zu Lieferproblemen führen.

 

Vereinfachtes Datenmodell: Die "Single Source of Truth"

Eine der signifikantesten Neuerungen in SAP S/4HANA ist die drastische Vereinfachung des Datenmodells. In der Vergangenheit wurden Daten in SAP ERP häufig in redundanten und komplexen Tabellenstrukturen gespeichert, was nicht nur die Performance beeinträchtigte, sondern vor allem die systemübergreifende Prozessautomatisierung erschwerte.

 

S/4HANA eliminiert diese Redundanzen durch die Zusammenführung in neue, schlankere Tabellen. Beispiele für diese Vereinfachung sind MATDOC für die Bestandsführung, das über 26 alte Tabellen aus SAP ECC ersetzt, sowie ACDOCA ("Universal Journal"), das als zentrale Tabelle für Finanzwesen und Controlling die Daten aus FI, CO, AA und ML zusammenfasst.

 

Diese Datenmodell-Vereinfachung schafft eine "Single Source of Truth", die eine konsistente Sicht auf alle Supply Chain-Prozesse ermöglicht. Sie reduziert nicht nur den Speicherbedarf erheblich, sondern verbessert auch die Datenqualität und ermöglicht nahtlose, systemübergreifende Zusammenarbeit – eine Voraussetzung für eine durchgängige Automatisierung vom Lieferanten bis zum Kunden.

Die Supply Chain-Revolution: Von Silos zu Ende-zu-Ende-Prozessen

Paradigmenwechsel in der Systemarchitektur

Die Migration zu SAP S/4HANA bedeutet einen fundamentalen Wandel von der modulbasierten Struktur der alten SAP ERP-Plattform mit diskreten, oft isolierten Modulen wie Materials Management (MM), Warehouse Management (WM) und Logistics Execution - Transportation (LE-TRA) hin zu ganzheitlichen "Lines of Business" (LoBs).

 

Dieser Übergang ist der philosophische Kern der These, dass es sich um mehr als ein Upgrade handelt. Anstatt funktionale Silos abzubilden, konzentriert sich die neue Architektur auf nahtlose Ende-zu-Ende-Prozesse über alle Geschäftsbereiche hinweg. Das LoB "Supply Chain" integriert beispielsweise nicht mehr nur Lagerhaltung als isolierte Einheit, sondern auch Produktionsplanung, Batch-Rückverfolgbarkeit, Bestandsverwaltung und Transportlogistik in einem durchgängigen Prozessfluss.

 

Sourcing & Procurement: Intelligente Beschaffung in Echtzeit

Der Bereich "Sourcing and Procurement" umfasst Funktionalitäten wie automatisierte Bedarfsanforderungen, operative Beschaffung und Lieferantenverwaltung. Unternehmen profitieren von durchgängiger Transparenz in ihren Lieferantenausgaben und können durch Integration mit Cloud-Lösungen wie SAP Ariba die Beschaffungsprozesse weiter optimieren.

 

Die Transparenz über Lieferantenperformance und -risiken ermöglicht proaktive Entscheidungen zur Lieferantendiversifizierung und Risikominimierung – ein entscheidender Vorteil in volatilen globalen Märkten und komplexen Supply Chain-Netzwerken.

 

Extended Warehouse Management (EWM): Die Zukunft der Lagerlogistik

EWM stellt die zentrale Säule der modernen Lagerlogistik in SAP S/4HANA dar und löst das veraltete SAP WM ab. Es bietet hohe Skalierbarkeit für Lager jeder Größe und Automatisierungsstufe und ermöglicht eine tiefe Integration von Materialflusssystemen, Robotik und fahrerlosen Transportsystemen (AGVs).

 

Die Lösung unterstützt fortgeschrittene Strategien wie Wellen- und Cluster-Kommissionierung und bietet kontinuierliche Transparenz über Lagerbestände und -prozesse. Für hochautomatisierte Lager kann EWM als dezentrales System betrieben werden, während das eingebettete EWM für manuelle Lager optimal geeignet ist.

 

Transportation Management (TM): Nahtlose Transportintegration

Die TM-Funktionalität, die in SAP ERP als eigenständige Lösung (LE-TRA) existierte, ist nun vollständig in den S/4HANA-Kern integriert. Dies ermöglicht nahtlose Verbindungen zu Supply Chain- und Finanzprozessen ohne Medienbrüche.

 

Die Kernfunktionen umfassen intelligente Routen- und Tourenplanung unter Berücksichtigung von Kosten, Zeit und Priorität, automatisierte Carrier-Auswahl und Frachtkostenabrechnung sowie kontinuierliches Tracking von Sendungen. Diese Integration eliminiert manuelle Schnittstellen und reduziert Fehlerquellen erheblich.

Praxisbeispiel: Josera's digitale Yard-Transformation

Die Ausgangssituation: Manuelle Prozesse als Effizienz-Bremse

Die Fallstudie der Marke Josera illustriert eindrucksvoll, wie S/4HANA-Potenziale in der Praxis genutzt werden können. Das Unternehmen sah sich mit der Herausforderung konfrontiert, seine interne Werkslogistik zu optimieren.

Der manuelle Prozess der Fahrzeugabfertigung und die mangelnde Transparenz auf dem Werksgelände führten zu kostspieligen Wartezeiten für Lieferanten und Spediteure. Die zentrale logistische Herausforderung bestand darin, die Abläufe vom LKW-Check-in über die Rampenzuweisung bis zum Check-out digital und transparent zu gestalten.

 

 

Die integrierte Lösung: SAP-Kern plus spezialisierte Cloud-Services

Die gewählte Lösung war eine intelligente Integration des SAP S/4HANA-Kerns mit einer spezialisierten, cloud-basierten Software: dem platbricks® Yard Management. Diese Vorgehensweise exemplifiziert das Konzept der "Two-Speed-IT": Der stabile SAP S/4HANA-Core dient als Rückgrat für fundamentale Geschäftsprozesse, während die agile, cloud-native Lösung spezifische und schnelle logistische Anforderungen des Yard Managements abdeckt.

 

Die SaaS-Plattform integriert sich über standardisierte Schnittstellen nahtlos in das SAP-ERP und Warehouse Management System. Die Lösung digitalisiert alle Hofprozesse: von der Terminbuchung für LKW-Fahrer über ein Self-Service-Portal bis hin zum Management von Parkplätzen und zur automatisierten Zuweisung von Rampen.

 

Messbare Erfolge durch operative Prozessoptimierung

Die Implementierung führte zu einer Reihe quantifizierbarer Vorteile durch die Optimierung der operativen Prozesse mit SAP:

  • Höhere Rampenauslastung: Durch vorab gebuchte und koordinierte Zeitfenster konnte die Auslastung der Rampen erhöht und Leerlaufzeiten vermieden werden.
  • Durchgängige Transparenz: Die kontinuierliche Statusanzeige von Fahrzeugen und Ladevorgängen verschaffte dem Management jederzeit Überblick über die Gesamtsituation auf dem Gelände.
  • Kostenreduktion: Die systematische Erfassung von Fahrzeugen und die Vermeidung von Wartezeiten reduzierten Standkosten und unnötige Personalaufwendungen für administrative Aufgaben.
  • Automatisierte Prozesse: Die digitale LKW-Abfertigung reduzierte den Personalbedarf am Werkstor und erleichterte die Kommunikation, selbst bei unterschiedlichen Sprachen.

Die Josera-Fallstudie belegt, dass SAP S/4HANA keine starre, monolithische Lösung ist, sondern eine offene Plattform, die mit spezialisierten Cloud-Diensten erweitert werden kann, um konkrete geschäftliche Herausforderungen in der Supply Chain zu lösen.

Migrationsherausforderungen verstehen und bewältigen

Warum deutsche Unternehmen noch zögern

Trotz klarer Vorteile und des drohenden Wartungsendes zögert ein signifikanter Teil der Unternehmen noch mit dem Umstieg. Diese Zurückhaltung ist auf zentrale Barrieren zurückzuführen:

  • Komplexität und Budgetrisiken: Migrationsprojekte werden als aufwendig, komplex und teuer wahrgenommen, mit dem Risiko von Budgetüberschreitungen und Zeitverzögerungen.
  • Custom Code (Z-Code) Management: Der über Jahrzehnte entwickelte, kundenspezifische Code ist oft nicht mit S/4HANA kompatibel und mangels Dokumentation schwer zu bewerten. Ein gängiger Fehler ist die reine Übernahme dieses Codes ins neue System, was Komplexität und Kosten erhöht, ohne Prozessvereinfachung zu nutzen.
  • Fachkräftemangel: Es besteht ein Mangel an qualifizierten, S/4HANA-erfahrenen Beratern und internen Mitarbeitern, was zu erhöhten Kosten und Qualitätsproblemen bei der Implementierung führt.
  • Mangelhaftes Change Management: Ohne frühzeitige Einbindung und Schulung der Mitarbeiter kann die Akzeptanz des neuen Systems gering bleiben, wodurch Technologie-Investitionen scheitern können.

     

Die Wahl des richtigen Migrationsszenarios

Die strategische Entscheidung für den richtigen Migrationsansatz ist erfolgskritisch. Drei Hauptszenarien stehen zur Verfügung:

  1. Greenfield-Ansatz: Vollständige Neuimplementierung von Grund auf, ideal für Unternehmen mit dem Wunsch nach radikaler Business-Transformation und vollständiger Beseitigung technologischer Altlasten.
  2. Brownfield-Ansatz: Konvertierung des bestehenden SAP ERP-Systems, kostengünstiger und schneller, da historische Daten und Einstellungen übernommen werden. Der Nachteil liegt in der Übernahme technischer Altlasten.
  3. Selective Data Transition (Bluefield): Hybrid-Ansatz, der die Vorteile beider Szenarien kombiniert und selektive Übertragung relevanter Geschäftsdaten sowie Konsolidierung mehrerer Einzelsysteme ermöglicht.

Strategische Handlungsempfehlungen für Führungskräfte

Frühzeitige und ganzheitliche Planung

Die Migration sollte als umfassende Supply Chain-Transformation verstanden werden, nicht als reines IT-Projekt. Beginnen Sie mit einer Readiness-Assessment-Phase, um das aktuelle System zu scannen, potenzielle Hindernisse zu identifizieren und einen realistischen Umsetzungsplan zu erstellen.

 

Strategisches Custom Code Management

Verfolgen Sie die Strategie, Custom Code nicht blind zu übernehmen, sondern strategisch zu bewerten und zu bereinigen. Das Ziel ist ein "Clean Core", befreit von unnötigen, redundanten oder veralteten Anpassungen. Automatisierungswerkzeuge können 70–80 % der Code-Anpassungen automatisieren.

 

Change Management als Erfolgsfaktor

Beziehen Sie Anwender frühzeitig in den Prozess ein und schulen Sie umfassend. Die neue, intuitive SAP Fiori Benutzeroberfläche kann ein wichtiger Hebel zur Steigerung der Benutzerakzeptanz und Produktivität sein.

 

Partnerschaften strategisch nutzen

Arbeiten Sie mit erfahrenen Implementierungspartnern zusammen, die über bewährte Methodiken und S/4HANA-Expertise verfügen. Externe Beratung schließt Wissenslücken und beschleunigt die Transformation erheblich.

 

Die Migration zu SAP S/4HANA ist eine unvermeidliche, aber auch lohnende Transformation. Sie ist der Katalysator für eine tiefgreifende Neugestaltung der Supply Chain-Prozesse und ermöglicht es Unternehmen, ihre Lieferkette in einen strategischen Wettbewerbsvorteil zu verwandeln.

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Fazit: Nutzen Sie die Chance der Transformation

SAP S/4HANA ist weit mehr als ein technisches Upgrade – es ist die Transformation Ihrer Supply Chain in einen strategischen Wettbewerbsvorteil. Mit dem Wartungsende 2027 steht nicht nur ein Systemwechsel an, sondern die Chance zur Neugestaltung: Von isolierten Modulen zu durchgängigen End-to-End-Prozessen, von manueller Steuerung zu KI-gestützter Automatisierung. Praxisbeispiele wie Josera zeigen, wie die Integration des SAP-Kerns mit spezialisierten Cloud-Lösungen operative Exzellenz ermöglicht. Die richtige Migrationsstrategie und erfahrene Partner machen den Unterschied zwischen Pflichtübung und Zukunftsinvestition.

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Verfasst von

Marcel Driller | Experte für SAP Supply Chain Execution & SAP Solution Architecture
Marcel Driller
Experte für SAP Supply Chain Execution & SAP Solution Architecture