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Infrastruktur Transition in die Cloud

Rehosting der eigenen Unternehmens-IT

Infrastruktur Transition in die Cloud
13.04.2021
Cloud

Vor 120 Jahren erfasste eine Disruption alle westlichen Volkswirtschaften: Dezentrale Stromnetze wurden nach und nach geschaffen und bereitgestellt. Bis zu diesem Zeitpunkt mussten viele Industrieunternehmen ihren Strom selbst herstellen. So betrieben beispielsweise zahlreiche Bierbrauereien eigene Dampfmaschinen, um die Stromversorgung der Sudkessel und Abfüllanlagen sicherzustellen. Eigens dafür eingestellte Mitarbeiter waren mit dem Betrieb dieser Dampfmaschinen betraut. 


Da die Prozesse der Stromgewinnung in vielen Unternehmen über Jahrzehnte eingespielt waren, fiel den Unternehmenslenkern der Umstieg auf die dezentrale Stromversorgung aus dem neu geschaffenen Stromnetz schwer. Häufig gelang es erst nachfolgenden jüngeren Generationen, die dezentrale Stromversorgung in den Geschäftsprozess zu implementieren. 


Heute steht die Wirtschaft wieder vor einer großen Disruption

Dieses Mal kommt aber nicht der Strom aus der Steckdose, sondern Daten werden zukünftig in der Cloud statt auf eigenen Serversystemen gespeichert und verarbeitet. Und genau wie damals, sorgt auch dieses Mal der Umstieg für zahlreiche Komplikationen in den Unternehmen.


Für viele IT-Verantwortliche stellt sich – analog zu damals – die Frage, warum sie den Zugriff auf das wertvollste Unternehmens-Asset der Gegenwart an Dritte auslagern sollen. Dass die Speicherung und Auswertung der Kundendaten zukünftig auf Systemen stattfinden, die nicht im eigenen Unternehmen stehen bzw. von eigenen Mitarbeitern kontrolliert werden, ist für viele Unternehmenslenker ein immer noch schwer vorstellbares Szenario.


Dabei ist der Trend nicht mehr aufzuhalten

Aktuelle Prognosen gehen davon aus, dass der Markt für Cloud-Angebote im Bereich der Infrastruktur Transition bis zum Jahr 2025 um fast das Dreifache wachsen wird. 

Rehost

Das Analystenhaus Gartner bezeichnet den Vorgang der Migration der eigenen Unternehmens-IT in die Cloud als „Rehosting“. Damit gemeint ist die Abschaltung des eigenen Rechenzentrums und die Übertragung aller IT-Systeme in die Cloud. Die neue Hardware-Umgebung ist dabei via Internet ansteuerbar. Bereitgestellt wird diese Hardware-Infrastruktur („Infrastructure as a Service“) von den großen Cloud Provider Amazon (AWS), Microsoft (Azure) und Google Cloud Platform. Aber auch die großen Anbieter aus China AliBaba und Tencent haben sich inzwischen auf dem Markt etabliert. 


Eine 1:1-Übertragung der Systeme in die Cloud ist aber in den wenigsten Fällen sinnvoll. Vielmehr macht es Sinn, bei einem anstehenden Rehost über die Optimierung der gesamten IT-Infrastruktur nachzudenken. Diese Optimierungen betreffen unter anderem die Speicher- und Netzwerksysteme des Unternehmens. Aber auch Backup-Mechanismen und IT-Security-Konzepte. 


Die unterschiedlichen Szenarien für das Rehosting sind dabei abhängig von der Frage, ob sich das Unternehmen dafür entscheidet, die Unternehmens-Applikation in die Private Cloud oder in die Public Cloud zu übertragen. Oder ob das Unternehmen eine Mischform zwischen Private und Public Cloud wählt. 
 

  • Der Unterschied zwischen Private Cloud und Public Cloud liegt in den unterschiedlichen Nutzungsszenarien, die sich für die Unternehmen aus beiden Lösungen ergeben.


    Die Private Cloud ist eine Lösung, die ausschließlich den eigenen Mitarbeitern zur Durchführung der Geschäftsprozesse bereitgestellt wird. Diese Cloud-Lösungen werden in der Regel vom Unternehmen selbst betrieben. Beispielsweise könnte ein internes Firmennetzwerk als „Private Cloud“ zur Verfügung gestellt werden. Dies ermöglicht es allen Mitarbeitern des Unternehmens, via Internet – zum Beispiel per Smartphone – an den unterschiedlichen Diskussionsforen innerhalb des Unternehmens teilzunehmen.


    Dabei kann zwischen zwei Formen der Private Cloud unterschieden werden: Entweder betreibt das Unternehmen die Private Cloud auf den eigenen Servern, oder es nutzt die Möglichkeit, Private Cloud-Lösungen bei einem externen Cloud-Provider (z.B. Arvato Systems) zu hosten.

  • Die Public Cloud bezieht sich dagegen auf die Nutzung von Diensten und Software Services, die von öffentlich zugänglichen Providern über das Internet angeboten werden. Große Anbieter im Bereich der Public Cloud sind u.a. Amazon mit den Amazon Web Services (AWS), Microsoft mit dem Angebot Azure und Google mit der Google Cloud. Aber auch andere Unternehmen wie Ali Baba und Tencent mischen in dem Markt der Public Cloud-Anbieter mit. 

In vielen Unternehmen haben sich im Laufe der Zeiten Mischformen aus den beiden unterschiedlichen Anwendungsszenarien gebildet. Bei einer Kombination von Public- und Private Cloud-Lösungen oder der Nutzung von mehreren Cloud Anbietern spricht man von Multi-Cloud-Integration. Diese Form des kombinierten Einsatzes entspricht inzwischen dem Standard in deutschen Unternehmen. Nach einer Untersuchung des Beratungshauses KPMG aus dem Jahr 2020 nutzen bereits heute 87 % der Unternehmen mit 2000 oder mehr Mitarbeitern die Einsatzmöglichkeiten von Multi-Cloud-Systemen. Wobei zumeist 80% der Workloads auf einer Plattform betrieben werden.* 


*Quelle: KPMG in Deutschland, 2020, Nutzung und Planung von Multi-Cloud-Computing
 

Die Vorteile der Nutzung der Infrastruktur-Transition

Für Unternehmen ergeben sich zahlreiche Vorteile: Geringe Markteinstiegshürden, bessere Skalierbarkeit, Try before You buy, ein schnelleres Time-to-Market, einfache Steuerungsprozesse und ein Absinken der Gesamtkosten des Unternehmens.

Geringere Markteinstiegshürden

Bessere Skalierbarkeit

"Try before you buy"

Höhere Geschwindigkeit & Time-To-Market

OPEX statt CAPEX

Einfache Steuerprozesse

Vor dem Start eines neuen Projekts ist der Markterfolg in der Regel schwer abschätzbar. Dennoch müssen in der „alten Welt“ vor Projektstart zahlreiche Investitionen in Hardware-Lösungen getätigt werden: Netzwerkverbindungen, Datenspeicher, Prozessoren – also kurz gesagt der gesamte Hardware IT-Stack muss bereitgestellt werden.


Dabei stellt sich für die Projektverantwortlichen die Frage, mit welchen Auslastungen die Systeme in der Zukunft rechnen müssen.


Diese Kalkulationen zu Beginn eines Projekts entfallen in der Cloud. Durch das Cost-per-Use Verfahren in der Cloud wird nur die Leistung der Systeme abgerechnet, die auch tatsächlich gebraucht wurden.


Das Cost-per-Use System der Cloud ermöglicht es den Unternehmen zusätzlich, die Systemleistungen in Echtzeit an die Nachfrage am Markt anzupassen. Steigt beispielsweise am beliebtesten amerikanischen Einkaufstag, dem „Black Friday“, die Zugriffszahl auf die eigenen Server exponentiell an, so können diese Spitzlasten von den hauseigenen IT-Systemen oft nicht bewältigt werden, da sie für geringere Auslastungsniveaus konzipiert wurden. Die Folgen sind häufig eine Überlastung und ein zeitweiser Zusammenbruch der lokalen  Serveranlagen.


Der Shift der Unternehmens-IT in die Cloud hilft dabei, dieses Problem zu lösen. Mittels moderner Softwarelösungen und Automatisierung kann die Kapazität der Unternehmens-IT in Echtzeit an den tatsächlichen Bedarf angepasst werden. Und das, ohne dass ein Eingriff eines IT-Mitarbeiters des Unternehmens notwendig ist.


Die Skalierbarkeit der gehosteten IT funktioniert aber auch in die andere Richtung: Sollte ein Projekt nicht den gewünschten Erfolg haben und die Auslastungszahlen hinter den Erwartungen zurückbleiben, so wird die eingekaufte Serverkapazität in Sekundenschnelle nach unten angepasst. Bezahlt wird am Ende nur die Leistung, die auch tatsächlich genutzt wurde.  Speziell Unternehmen mit einer schwankenden Serverauslastung oder saisonalen Geschäftsmodellen profitieren so von der Kosteneinsparung der virtuellen Server aus der Cloud.

Um das Risiko einer Fehlinvestition zu minimieren, bieten alle großen Cloud-Provider Probemonate an, bei denen die neue virtuelle Hardware kostenlos getestet werden kann, bevor sie in Einsatz kommt. Das minimiert die Gefahr, sich mit einer größeren Anschaffung als IT-Leiter finanziell die Finger zu verbrennen.

Höhere Geschwindigkeit & Time-To-Market

Ein weiterer Vorteil der Nutzung von IaaS-Services aus der Cloud ist die Geschwindigkeit, mit der diese Systeme in Betrieb genommen werden können. So dauert die Konfiguration Virtueller Maschinen (VMs) auf den Benutzeroberflächen der unterschiedlichen Cloud-Anbieter nur wenige Minuten.


Ungleich größer sind die technischen und organisationsbezogenen Aufwände, die hinter der Inbetriebnahme neuer Serveranlagen stehen: die Geräte müssen zunächst bestellt, geliefert, angeschlossen, konfiguriert und gestartet werden. Bis zum erfolgreichen Einsatz einer neuen OnPrem-Serveranlage vergehen so Wochen oder sogar Monate. Diese Zeit fehlt den Unternehmen bei der Durchführung eines erfolgreichen Markteintritts.


Ein weiterer Vorteil der sich aus einem Rehost ergibt, sind die freiwerdenden Kapitalmittel des Unternehmens. Das Schlagwort für diesen Zusammenhang lautet „OPEX statt CAPEX“.


Unter CAPEX versteht man die buchhalterischen Ausgaben für die Ausdehnung der Geschäftsbereiche eines Unternehmens. Beispielsweise wird der Kauf von Maschinen, Immobilien oder Servern dem CAPEX zugerechnet. Ausgaben in diesem Bereich führen zu einer starken Kapitalbindung, da das investierte Kapital nicht mehr anderen Bereichen zur Verfügung steht.  


OPEX bezieht sich dagegen auf die laufenden Betriebskosten, die für die Durchführung der Geschäftsprozesse benötigt werden. Diese Kosten fallen regelmäßig an und werden daher monatlich, halbjährlich oder jährlich abgerechnet. Zu den Betriebskosten gehören unter anderem die Kosten für den Betrieb von virtuellen Maschinen bzw. Servern in der Cloud. 


Durch die Übertragung der IT-Systeme in die Cloud, können Unternehmen Kosten im Bereich CAPEX in Kosten im Bereich OPEX umwandeln. So ergeben sich finanzielle Vorteile für das Unternehmen. Denn das für die Serveranlagen aufgewendete Investitionskapital kann nun für die Weiterentwicklung der Geschäftsmodelle eingesetzt werden.


Bildlich kann dieser Zusammenhang wie folgt dargestellt werden: Was bringt einer Privatperson ein teurer Porsche, wenn er nur einmal im Jahr gefahren wird? Da macht es doch weit mehr Sinn, den Porsche einmal im Jahr zu mieten und das so freiwerdende Kapital für den Kauf einer eigenen Immobilie zu verwenden.

e Nutzung der vom Cloud-Provider bereitgestellten virtuellen Maschinen erfolgt über intuitiv steuerbare Benutzeroberflächen. Mit dem Umstieg in die Cloud ist es beispielsweise möglich, dass Fachabteilungen die benötigte Hardware selbstständig bestellen, administrieren und nutzen. Denn dort wissen die Mitarbeiter am besten, welche Anforderungen der Markt an die Systeme stellt. 


Damit schafft der Umstieg auf Cloud-Lösung die Voraussetzung für die Etablierung moderner Unternehmensformen wie „Agile“ und „DevOps“-Strukturen. 

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Verfasst von

MA_Kathrin_Kleinschnittger_Cloud
Prof. Dr. Roland Frank
Professor Mediadesign Hochschule