Gesamtstaatliches Sicherheitsökosystem

Gesamtstaatliches Sicherheitsökosystem 2030

Weshalb die größte Herausforderung nicht die Technologie ist

Warum Deutschlands Resilienz kein Technologieproblem ist
15.07.2026
Öffentlicher Sektor

Deutschland steht vor einer Vielzahl von Krisenszenarien – von Cyberangriffen und hybriden Bedrohungen bis hin zu großflächigen Störungen kritischer Infrastrukturen. Zentral ist die Frage, wie handlungsfähig Staat, Wirtschaft und Gesellschaft in solchen Situationen tatsächlich sind. 

 

Die ersten Ergebnisse der Online-Umfrage zur Studie „Gesamtstaatliches Sicherheitsökosystem 2030“ liefern dazu interessante Erkenntnisse und übermitteln eine klare Botschaft: Die Herausforderung liegt nicht primär im Fehlen einzelner Lösungen, sondern im Zusammenspiel der vorhandenen Fähigkeiten.  

Die Lösungen sind vorhanden – das Zusammenspiel fehlt

Die Umfrage bestätigt zunächst ein positives Bild: Für Kommunikation, Lagebilder, Krisenmanagement und digitale Zusammenarbeit stehen bereits zahlreiche Lösungen zur Verfügung. Gleichzeitig bewerten die Teilnehmer die Handlungsfähigkeit Deutschlands insgesamt als eingeschränkt. Keiner der Befragten sieht Deutschland heute als vollständig handlungsfähig an. 

 

Der Grund liegt weniger in einzelnen Fähigkeitslücken als vielmehr in der fehlenden Verbindung vorhandener Fähigkeiten zu einem funktionierenden Gesamtsystem. Besonders deutlich zeigt sich dies an einem der zentralen Studienbefunde: Zwischen dem Erkennen einer Krise und dem koordinierten Handeln entsteht häufig eine Lücke. 

 

Die Studienteilnehmer beschreiben dieses Phänomen als mangelnde übergreifende Orchestrierung der vorhandenen Fähigkeiten. Die sogenannte „Verkettungslücke“ zwischen Wahrnehmen, Bewerten, Entscheiden und Handeln wurde als wichtigste Erkenntnis der bisherigen Untersuchung herausgehoben. Die erste Kernaussage der Studie lautet daher: Nicht das Fehlen von Lösungen ist das Problem, sondern deren mangelnde Vernetzung. 

Die größten Hindernisse sind organisatorischer Natur

Ebenso deutlich fällt die Bewertung der Ursachen aus. Die größten Hemmnisse liegen nicht im technischen Bereich. Vielmehr werden organisatorische und strukturelle Herausforderungen als zentrale Bremsfaktoren genannt. Dazu zählen fehlende Governance-Strukturen, komplexe Beschaffungsprozesse, mangelnde Abstimmung zwischen den Organisationen sowie unzureichende Standards für die Zusammenarbeit. 

 

Auch beim Blick auf den zukünftigen Handlungsbedarf zeigt sich ein ähnliches Bild. Zu den wichtigsten Themen zählen digitale Vernetzung, ressortübergreifende Zusammenarbeit sowie der Schutz kritischer Infrastrukturen. Gleichzeitig werden übergreifende Austauschformate, politische Priorisierung sowie die stärkere Einbindung gesellschaftlicher Akteure als wesentliche Erfolgsfaktoren genannt. Die zweite Kernaussage der Studie lautet entsprechend: Organisation schlägt Technologie. Resilienz entsteht vor allem durch funktionierende Strukturen, Verantwortlichkeiten und Zusammenarbeit. 

Der Engpass liegt in der Umsetzung, nicht in der Innovation

Eine weitere wichtige Erkenntnis betrifft den Blick auf das Jahr 2030. Viele der heute verfügbaren Lösungen werden als grundsätzlich skalierbar und einsatzfähig eingestuft. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass disruptive Zukunftstechnologien bislang nur eine untergeordnete Rolle in den aktuellen Lösungslandschaften spielen. Das deutet darauf hin, dass die notwendige technologische Basis für viele Anforderungen bereits vorhanden ist. 

 

Der eigentliche Engpass liegt daher weniger in fehlenden Innovationen als in der Fähigkeit, bestehende Lösungen schnell, flächendeckend und organisationsübergreifend zu integrieren. Die dritte Kernaussage lautet damit: Die Herausforderung der kommenden Jahre besteht nicht in der technischen Machbarkeit, sondern in der konsequenten Umsetzung und Integration vorhandener Fähigkeiten. 

Wie aus einzelnen Lösungen ein resilientes Gesamtsystem entsteht

Die Zwischenergebnisse der Studie zeigen, dass Resilienz vor allem eine Frage des Zusammenspiels ist. Deutschland verfügt bereits über zahlreiche Technologien, Kompetenzen und Lösungsbausteine für ein leistungsfähiges Sicherheits- und ResilienzsystemDie eigentliche Herausforderung besteht darin, Informationen, Prozesse und Verantwortlichkeiten so miteinander zu verbinden, dass in Krisensituationen schnell und koordiniert gehandelt werden kann. Die identifizierte „Verkettungslücke“ zwischen Erkennen und Handeln verdeutlicht genau diesen Handlungsbedarf. Die Studie macht deutlich, dass Resilienz künftig vor allem als Fähigkeit zum Zusammenspiel verstanden werden muss. Handlungsfähigkeit entsteht dort, wo Informationen, Prozesse, Verantwortlichkeiten und Akteure nahtlos miteinander verbunden sind. Die identifizierte Verkettungslücke zwischen Erkennen und Handeln verdeutlicht diesen Handlungsbedarf besonders eindrücklich. 

 

Für Politik, Verwaltung und Wirtschaft ergeben sich daraus vier zentrale Fragestellungen: Wie können Organisationen gemeinsame Lagebilder aufbauen? Wie gelingt die Zusammenarbeit über Ressort-, Behörden- und Organisationsgrenzen hinweg? Welche Strukturen helfen dabei, Entscheidungen schneller und fundierter zu treffen? Und wie lassen sich Erfahrungen aus vergangenen Krisen systematisch für zukünftige Herausforderungen nutzen? 

 

Die Frage lautet daher weniger, welche einzelnen Lösungen noch fehlen, als vielmehr, wie aus vorhandenen Bausteinen ein handlungsfähiges Sicherheitsökosystem entstehen kann. 

Die nächsten Schritte der Studie

Die aktuelle Online-Umfrage stellt einen ersten Zwischenstand dar. Parallel dazu wurden zahlreiche vertiefende Interviews mit Vertretern aus Verwaltung, Wirtschaft und Sicherheitsorganisationen geführt. Die Ergebnisse dieser qualitativen Untersuchungen werden derzeit ausgewertet und sollen die bisher gewonnenen Erkenntnisse ergänzen und validieren. Das finale Zielbild des Gesamtstaatlichen Sicherheitsökosystems 2030 wird im weiteren Studienverlauf gemeinsam entwickelt und diskutiert. 

Häufige Fragen und Antworten rund um gesamtstaatliche Resilienz

  • Ein wichtiger Baustein resilienter Organisationen ist das frühzeitige Erkennen von Risiken und Schwachstellen. Arvato Systems unterstützt dabei unter anderem durch Risikoanalysen, Resilienz-Checks und Business-Impact-Analysen. Ziel ist es, kritische Prozesse, Abhängigkeiten und potenzielle Auswirkungen von Ausfällen transparent zu machen. 

  • Eine zentrale Herausforderung besteht darin, relevante Informationen schnell verfügbar zu machen und daraus fundierte Entscheidungen abzuleiten. Arvato Systems beschäftigt sich in diesem Kontext mit gemeinsamen Lage- und Informationsplattformen, datenbasierten Analysen sowie Ansätzen zur Entscheidungsunterstützung auf Basis aktueller Lageinformationen. 

  • Kommunikation ist eine wesentliche Voraussetzung für koordiniertes Handeln. Deshalb gehören belastbare Kommunikationsstrukturen, Konzepte für den Krisenfall sowie die Sicherstellung der Kommunikationsfähigkeit unter erschwerten Bedingungen zu den Themenfeldern, mit denen sich Arvato Systems im Umfeld der gesamtstaatlichen Resilienz auseinandersetzt. 

  • Resilienz bedeutet auch, auf Störungen vorbereitet zu sein. Dazu zählen Notfall- und Wiederanlaufkonzepte, Business Continuity Management sowie technische und organisatorische Maßnahmen, die den Fortbetrieb kritischer Prozesse unterstützen können. Arvato Systems beschäftigt sich mit entsprechenden Ansätzen, um Organisationen bei der Vorbereitung auf Ausfallszenarien zu unterstützen. 

  • Die Studie identifiziert insbesondere die fehlende Verbindung zwischen Erkennen und Handeln als Herausforderung. Gemeinsame Lagebilder und organisationsübergreifende Informationsflüsse können dazu beitragen, diese Lücke zu schließen. Aus Sicht von Arvato Systems sind daher Interoperabilität, Datenaustausch und die Vernetzung verschiedener Akteure wichtige Voraussetzungen für ein funktionierendes Sicherheitsökosystem. 

  • Resilienz darf nicht ausschließlich digital gedacht werden. Daher gehören auch Konzepte zur Aufrechterhaltung kritischer Abläufe bei eingeschränkter Verfügbarkeit digitaler Systeme zu einem ganzheitlichen Resilienzansatz. Dies umfasst sowohl digitale als auch analoge Betriebs- und Wiederanlaufkonzepte. 

  • Ein resilientes Gesamtsystem entsteht aus dem Zusammenspiel von Menschen, Prozessen, Daten, Technologien und klaren Verantwortlichkeiten. Entscheidend ist nicht die einzelne Lösung, sondern die Fähigkeit, unterschiedliche Fähigkeiten und Akteure miteinander zu verbinden und im Krisenfall koordiniert nutzbar zu machen. Diese Perspektive deckt sich mit den zentralen Erkenntnissen der Studie zum Gesamtstaatlichen Sicherheitsökosystem 2030. 

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Verfasst von

Dr. Norbert Ahrend Profilfoto
Dr. Norbert Ahrend
Experte für die Digitalisierung des öffentlichen Sektors