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Technical Debt in der Softwareentwicklung managen

Risiken erkennen, Qualität sichern

Technical Debt in der Softwareentwicklung steuern
17.02.2026
Application Modernization
Application Development

Technical Debt entsteht, wenn in der Softwareentwicklung kurzfristige Lösungen dauerhaft bestehen bleiben. Was heute Geschwindigkeit bringt, erhöht morgen den Wartungsaufwand, die Komplexität und das Risiko. Wer Technical Debt früh sichtbar macht und aktiv steuert, sichert langfristig Qualität und Entwicklungsgeschwindigkeit.

Technical Debt im Code: Risiko oder Steuerungsinstrument?

Stellen Sie sich vor, ein neues Feature muss unter hohem Zeitdruck umgesetzt werden. Die Lösung funktioniert und geht schnell live – zunächst scheint alles gut. Doch wenige Wochen später häufen sich die Bugs, Änderungen dauern länger, und neue Entwicklerinnen und Entwickler kämpfen damit, den Code zu verstehen.

 

Solche Situationen gehören in der modernen Softwareentwicklung zum Alltag. Genau hier zeigt sich Technical Debt in der Praxis.

 

Technical Debt – häufig auch als technische Schulden bezeichnet – entsteht nicht zufällig. Sie ist das Ergebnis bewusster oder unbewusster Entscheidungen im Entwicklungsprozess. Für Dev Leads, Engineering Manager und CTOs gilt: Technische Schulden sind kein Schicksal. Sie lassen sich erkennen, bewerten und gezielt abbauen – vorausgesetzt, sie werden transparent gemacht und aktiv gesteuert.

Was unter Technical Debt verstanden wird – und was nicht

Technical Debt beschreibt den zusätzlichen Aufwand, der entsteht, wenn kurzfristig einfache oder schnelle Lösungen nachhaltige Architektur- oder Code-Qualitätsstandards ersetzen. Typische Auslöser in der Softwareentwicklung sind fehlende oder unzureichende Tests, hoher Zeitdruck durch Business-Prioritäten, übersprungene Code Reviews oder historisch gewachsene Architekturen.

 

Kurzfristig kann Technical Debt die Liefergeschwindigkeit erhöhen. Langfristig beeinträchtigt sie Wartbarkeit, Stabilität und Skalierbarkeit – und damit die Produktivität der Teams.

 

Wichtig ist dabei eine klare Einordnung: Technical Debt ist nicht per se schlecht. Bewusst eingegangen, kann sie sinnvoll sein. Problematisch wird sie, wenn sie unkontrolliert wächst und nicht mehr sichtbar ist.

Arten von Technical Debt

In der Praxis lassen sich mehrere Formen unterscheiden:

  • Code Debt: Komplexer, schwer verständlicher oder stark duplizierter Code
  • Architecture Debt: enge Kopplungen oder fehlende Modularität
  • Test Debt: fehlende oder unzureichende automatisierte Tests
  • Documentation Debt: unvollständige oder veraltete Dokumentation

Diese Differenzierung erleichtert eine gezielte Bewertung und Priorisierung.

Technical Debt messbar machen – jenseits von Bauchgefühl

Um technische Schulden abzubauen, müssen sie zunächst sichtbar gemacht werden. Subjektive Einschätzungen reichen dafür nicht aus. In der Praxis hilft eine Kombination aus direkten Code-Metriken und indirekten Signalen aus dem Alltag der Softwareentwicklung.

Code-Qualitätsmetriken

Test- und Wartungskennzahlen

Schulden-Index und Trendbetrachtung

Backlog-basierte Messung

Code-Qualitätsmetriken liefern objektive Hinweise auf strukturelle Schwächen im Code. Sie zeigen, an welchen Stellen Änderungen besonders teuer, riskant oder fehleranfällig werden können:

  • Zyklomatische Komplexität macht sichtbar, wie verschachtelt und schwer testbar einzelne Codebereiche sind.
  • Code-Duplikate erhöhen den Wartungsaufwand, da Änderungen an mehreren Stellen vorgenommen werden müssen.
  • Code Smells deuten auf strukturelle Probleme hin, die die Wartbarkeit langfristig beeinträchtigen.
  • Architektur-Abhängigkeiten zeigen, wo Module zu stark gekoppelt sind und Änderungen unerwartete Auswirkungen haben können.

Nicht alle technischen Schulden lassen sich direkt aus dem Code ablesen. Test- und Wartungskennzahlen helfen dabei, die Auswirkungen technischer Schulden im täglichen Betrieb zu erkennen:

  • Die Testabdeckung zeigt, wie gut Änderungen abgedeckt sind.
  • Die durchschnittliche Zeit zur Fehlerbehebung gibt Aufschluss darüber, wie wartbar und verständlich das System ist.
  • Das Verhältnis neuer zu bestehender Bugs kann auf tieferliegende strukturelle Probleme hinweisen.
  • Der Aufwand für Wartung im Vergleich zur Weiterentwicklung von Funktionen verdeutlicht, wie viel Entwicklungskapazität durch bestehende Schulden gebunden ist.

Steigt der Wartungsaufwand kontinuierlich oder verlängern sich Entwicklungszyklen, ist dies meist ein klares Zeichen wachsender  

Ein Technical-Debt-Index setzt den geschätzten Behebungsaufwand ins Verhältnis zur Systemgröße oder zum gesamten Entwicklungsaufwand. Entscheidend ist dabei weniger der absolute Wert als dessen Entwicklung über mehrere Releases hinweg.

Zusätzliche Transparenz entsteht, wenn Teams technische Schulden systematisch im Backlog erfassen. Werden sie als eigene Tickets geführt, lassen sie sich priorisieren, planen und bewusst in Roadmaps integrieren – statt sie dauerhaft zu verdrängen.

Tools zur Unterstützung

Ohne geeignete Werkzeuge bleibt das Technical Debt Management oft abstrakt. Tools helfen dabei, Struktur und Transparenz zu schaffen.

 

Statische Codeanalyse-Tools wie SonarQube machen Code Smells, Duplikate, Testabdeckung und Sicherheitslücken sichtbar. Der daraus abgeleitete Technical-Debt-Wert liefert eine erste Einschätzung des Behebungsaufwands.

 

CodeScene ergänzt diese Sichtweise, indem es Codeanalyse mit Erkenntnissen aus der Teamarbeit verbindet. So lassen sich besonders wartungsintensive Bereiche, Hotspots mit hoher Änderungsfrequenz oder Risiken durch Wissenskonzentration identifizieren.

 

KI-gestützte Pull-Request-Reviews, etwa mit GitHub Copilot, unterstützen Teams dabei, neue Technical Debt frühzeitig zu vermeiden. Sie helfen bei der Einhaltung von Coding-Standards und geben Feedback zu Lesbarkeit und Komplexität, ohne den Review-Prozess unnötig zu verlangsamen.

 

Projekt- und Ticket-Management-Tools wie Jira sorgen schließlich dafür, dass Technical Debt nicht nur erkannt, sondern auch über Sprints hinweg geplant und systematisch abgebaut werden kann.

Technical Debt gezielt abbauen: bewährte Vorgehensweisen

Das Erkennen von Technical Debt ist nur der erste Schritt. Entscheidend ist ein strukturierter Abbau, der sich realistisch in den Entwicklungsalltag integrieren lässt. In der Praxis haben sich dabei mehrere Vorgehensweisen bewährt:

 

Technische Schulden priorisieren

Nicht jede technische Schuld ist gleich kritisch. Eine klare Priorisierung hilft, begrenzte Ressourcen dort einzusetzen, wo sie den größten geschäftlichen und technischen Nutzen erzielen. Bewährt hat sich eine Bewertung anhand folgender Kriterien:

  • Geschäftliches Risiko, etwa Auswirkungen auf Verfügbarkeit oder Umsatz
  • Wartungsaufwand, der durch bestehende technische Schulden entsteht
  • Änderungsfrequenz betroffener Codebereiche
  • Relevanz für zentrale Produktfunktionen

 

Refactoring fest einplanen

Technische Schulden lassen sich nur abbauen, wenn dafür bewusst Zeit reserviert wird. Erfolgreiche Teams behandeln Refactoring nicht als Nebenaufgabe, sondern als festen Bestandteil der Planung:

  • Fester Kapazitätsanteil pro Sprint für technische Verbesserungen
  • Gezielte Refactoring-Tage pro Release
  • Eigene technische Stories im Backlog, die priorisiert werden können

 

Quality Gates etablieren

Quality Gates in CI/CD-Pipelines helfen, neue technische Schulden gar nicht erst entstehen zu lassen. Sie machen Code-Qualität zu einem messbaren Bestandteil des Entwicklungsprozesses, zum Beispiel durch:

  • Mindestanforderungen an die Testabdeckung
  • Definierte Grenzwerte für Komplexität
  • Keine neuen kritischen Code Smells

 

Definition of Done erweitern

Eine klar definierte Definition of Done stellt sicher, dass kurzfristige Lösungen nicht dauerhaft im Code verbleiben und wichtige Dokumentation nicht nachträglich vergessen wird. In der Praxis gehören dazu unter anderem:

  • Automatisierte Tests für relevante Funktionalitäten
  • Dokumentation zentraler Architekturentscheidungen und relevanter Funktionen
  • Erfolgreich durchgeführte Code Reviews

 

Transparenz gegenüber Business-Stakeholdern

Technische Schulden sind kein rein technisches Thema. Werden ihre Auswirkungen auf Time-to-Market, Stabilität und Kosten transparent gemacht, steigt die Bereitschaft zu notwendigen Investitionen.

Fazit: Technical Debt in der Softwareentwicklung ist steuerbar – wenn sie aktiv gemanagt wird

 

Technical Debt ist in der Softwareentwicklung unvermeidbar. Entscheidend ist nicht ihre Existenz, sondern ihr Umgang damit.

 

Wer Technical Debt systematisch sichtbar macht, bewertet und kontinuierlich abbaut, erhält die Handlungsfähigkeit seiner Systeme. Wer sie ignoriert, zahlt mit sinkender Entwicklungsgeschwindigkeit, steigenden Wartungskosten und zunehmendem Risiko.

 

Technical Debt Management ist deshalb eine strategische Führungsaufgabe – kein technisches Randthema.

Häufige Fragen und Antworten zu Technical Debt

  • Nein. Bewusst eingegangene technische Schulden können strategisch sinnvoll sein, etwa zur schnellen Markteinführung oder zur Validierung eines Geschäftsmodells. Kritisch werden sie, wenn sie unkontrolliert wachsen und nicht aktiv gemanagt werden.

  • Technische Schulden entstehen häufig durch Zeitdruck, fehlende oder unzureichende Tests, unklare Architekturentscheidungen oder übersprungene Code Reviews. Auch historisch gewachsene Systeme begünstigen ihre Entstehung.

  • Die Priorisierung erfolgt anhand klarer Kriterien wie geschäftlichem Risiko, Wartungsaufwand, Änderungsfrequenz betroffener Komponenten und ihrer Systemkritikalität.

  • Typische Anzeichen sind steigende Fehlerquoten, längere Entwicklungszyklen, zunehmender Wartungsanteil und sinkende Entwicklungsgeschwindigkeit.

Weiterführende Informationen rund um Technical Debt

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Verfasst von

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Peter Chojecki
Experte für Software Development

Peter Chojecki ist IT-Manager mit Schwerpunkt auf Software Development und Cloud-basierten Portallösungen. Mit Leidenschaft für moderne Architekturkonzepte, DevOps und skalierbare Cloud-Technologien gestaltet er zukunftsfähige Plattformen, die Benutzerfreundlichkeit und technische Exzellenz verbinden. Sein Fokus liegt auf der Weiterentwicklung digitaler Ökosysteme, in denen Effizienz, Sicherheit und Innovation Hand in Hand gehen.