Kundenservice im Stadtwerk digitalisieren
Anfragen strukturiert steuern
Digitale Formulare, E-Mails und Portale entlasten den Kundenservice nur dann, wenn dahinter durchgängige Prozesse stehen. Viele Stadtwerke digitalisieren den Kundenkontakt, bearbeiten individuelle Anliegen intern jedoch weiterhin manuell. Genau hier entsteht der größte Aufwand.
Dieser Beitrag ist Teil unserer Blogserie zu digitalen Kundenprozessen im Stadtwerk. Während wir im ersten Teil gezeigt haben, warum ein Kundenportal für Stadtwerke nur mit klar definierten Standardprozessen funktioniert, betrachten wir nun den nächsten Schritt: individuelle Kundenanliegen. Erfahren Sie, wie sich auch komplexere Anfragen strukturiert steuern, transparenter bearbeiten und teilweise automatisieren lassen – ohne die fachliche Verantwortung aus dem Prozess zu nehmen.
Digitale Kontaktkanäle gehören heute zum Standard im Kundenservice vieler Stadtwerke. Kundinnen und Kunden nutzen Formulare, E-Mails oder Kundenportale, um Anliegen schnell und unkompliziert einzureichen. Dennoch steigen Bearbeitungsaufwände häufig weiter an.
Der Grund: Der Kundenkontakt ist digital – die dahinterliegenden Prozesse sind es oft nicht.
Viele Stadtwerke haben die Digitalisierung des Kundenkontakts erfolgreich vorangetrieben. Doch ein digitales Formular allein macht noch keinen digitalen Prozess. Der eigentliche Aufwand beginnt häufig erst nach dem Eingang einer Anfrage.
Informationen werden geprüft, weitergeleitet, in anderen Systemen erfasst oder mit Fachbereichen abgestimmt. Für Kundinnen und Kunden bleibt dieser Aufwand unsichtbar. Für Mitarbeitende bedeutet er jedoch zusätzliche Arbeit, Medienbrüche und häufig einen hohen Koordinationsaufwand.
Die entscheidende Frage lautet daher: Wie lassen sich auch komplexe und individuelle Kundenanliegen effizient bearbeiten, ohne die fachliche Verantwortung aus dem Prozess zu nehmen?
Digitale Eingangskanäle lösen nicht automatisch das Prozessproblem
Viele Stadtwerke haben in den vergangenen Jahren in digitale Kontaktmöglichkeiten investiert. Kundinnen und Kunden können Anfragen online stellen, Dokumente hochladen oder Anliegen über ein Kundenportal einreichen.
Das verbessert die Erreichbarkeit und den Service. Der eigentliche Aufwand entsteht jedoch häufig erst nach dem Eingang des Anliegens.
Dann muss geklärt werden:
Wer ist zuständig?
Welche Informationen werden benötigt?
Welche Systeme enthalten die relevanten Daten?
Wie wird der Bearbeitungsstand dokumentiert?
Wie erfolgt die Rückmeldung an den Kunden?
Werden diese Fragen nicht durch klare Prozesse und unterstützende Systeme beantwortet, bleibt die Bearbeitung weitgehend manuell. Mitarbeitende wechseln zwischen Anwendungen, suchen Informationen in E-Mails oder Fachsystemen und koordinieren sich mit anderen Bereichen.
Aus Kundensicht war der Kontakt digital. Intern beginnt jedoch oft ein aufwändiger Abstimmungsprozess. Wie solche Brüche in typischen Kundenprozessen sichtbar werden, zeigt unser Praxisleitfaden „Vom Versorger zum Umsorger“ anhand konkreter Stadtwerke-Use-Cases.
Warum ein CRM zur zentralen Prozessplattform wird
Genau an dieser Stelle spielt ein modernes CRM seine Stärken aus.
Moderne CRM-Plattformen entwickeln sich zunehmend zur zentralen Steuerungsplattform für Kundenprozesse. Sie verbinden Kundenkontakt, Vorgangsmanagement, Aufgabensteuerung und Fachbereichskommunikation in einer gemeinsamen Arbeitsumgebung.
Informationen aus Kundenportal, E-Mail, Telefonie, Abrechnung oder ERP-Systemen können zusammengeführt und im Kundenkontext dargestellt werden.
Dadurch erhalten Mitarbeitende einen vollständigen Überblick über:
aktuelle und vergangene Vorgänge
aufende Bearbeitungsstände
beteiligte Fachbereiche
Dokumente und Kommunikation
offene Aufgaben und Fristen
So entsteht Transparenz über den gesamten Kundenprozess hinweg und die Bearbeitung wird deutlich effizienter.
Warum individualisierte Prozesse besonders herausfordernd sind
Standardisierte Anliegen lassen sich vergleichsweise einfach digitalisieren. Wird beispielsweise ein Zählerstand gemeldet oder eine Rechnung heruntergeladen, sind Ablauf und Folgeschritte meist klar definiert.
Anders sieht es bei individuellen Kundenanliegen aus. Dazu gehören beispielsweise:
- Rechnungsrückfragen
- Tarifwechsel
- Beschwerden
- Technische Störungen
- Anliegen mit mehreren beteiligten Fachbereichen
Diese Fälle folgen nicht immer demselben Ablauf. Häufig sind fachliche Bewertungen oder individuelle Entscheidungen erforderlich.
Dennoch bestehen auch solche Prozesse aus wiederkehrenden Schritten: Das Anliegen muss erfasst, eingeordnet, Informationen bereitgestellt, Aufgaben verteilt und Ergebnisse dokumentiert werden.
Genau hier liegt das größte Potenzial für Digitalisierung und Automatisierung.
Automatisierung bedeutet nicht, alles automatisch zu entscheiden
Wenn von Automatisierung die Rede ist, entsteht häufig die Vorstellung, dass ein System Anfragen vollständig selbstständig bearbeiten soll. Gerade bei komplexen Kundenanliegen ist das weder realistisch noch sinnvoll.
Vielmehr geht es darum, wiederkehrende Prozessschritte zu unterstützen. Dazu gehören beispielsweise:
- die automatische Anlage eines Vorgangs
- die Zuordnung zum richtigen Kundenkonto
- die Klassifizierung des Anliegens
- die Prüfung auf fehlende Informationen
- die Weiterleitung an zuständige Bereiche
- die Erstellung von Folgeaufgaben
- die Dokumentation von Bearbeitungsschritten
- die Statusverfolgung
Die fachliche Entscheidung verbleibt weiterhin bei den Mitarbeitenden. Gleichzeitig werden manuelle Routinetätigkeiten reduziert und Prozesse transparenter gestaltet.
Wo im Kundenservice die meisten Medienbrüche entstehen
Die größten Probleme entstehen häufig nicht im Kontaktkanal selbst, sondern an den Übergängen zwischen Eingang und Bearbeitung.
Typische Beispiele sind:
Ein digitales Formular wird anschließend manuell in einem anderen System erfasst.
Eine E-Mail wird aus einem zentralen Postfach mehrfach weitergeleitet.
Informationen aus dem Kundenportal sind im Kundenservice nicht sichtbar.
Rückmeldungen aus Fachbereichen werden außerhalb des Kundenkontexts dokumentiert.
Folgeprozesse laufen in separaten Anwendungen ohne Bezug zum ursprünglichen Kundenanliegen.
Für Kundinnen und Kunden äußert sich das häufig durch längere Bearbeitungszeiten, fehlende Transparenz oder die Notwendigkeit, ein Anliegen mehrfach zu erklären.
Für das Stadtwerk entstehen zusätzliche Aufwände durch Abstimmungen, Datensuche und doppelte Erfassung.
Praxisbeispiel: Tarifwechsel als durchgängiger Prozess
Ein Tarifwechsel wirkt zunächst wie ein einfacher Standardprozess. In der Praxis sind jedoch oft mehrere Prüfungen und Beteiligte erforderlich.
Neben den Kundendaten müssen beispielsweise bestehende Vertragsbedingungen, Tarifverfügbarkeiten oder mögliche Sonderregelungen berücksichtigt werden. Häufig sind Kundenservice, Vertrieb und Abrechnung involviert.
Geht der Tarifwechsel lediglich als Formular ein und wird anschließend manuell weiterbearbeitet, fehlt oft die Transparenz über den aktuellen Bearbeitungsstand.
In einem digital unterstützten Prozess wird das Anliegen automatisch erkannt, relevante Vertragsinformationen werden bereitgestellt und Aufgaben an die zuständigen Bereiche verteilt. Der Status bleibt für alle Beteiligten nachvollziehbar und die Dokumentation erfolgt direkt im Kundenkontext.
Die fachliche Prüfung bleibt bestehen. Der organisatorische Aufwand wird jedoch deutlich reduziert.
Auch Rechnungsrückfragen sind ein typisches Beispiel für individualisierte Kundenprozesse: Sie folgen keinem vollständig standardisierten Ablauf, betreffen häufig mehrere Informationsquellen und benötigen fachliche Einordnung. Genau deshalb zeigen sie besonders deutlich, warum digitaler Kundenservice mehr braucht als einen Eingangskanal.
Im nächsten Teil der Blogserie betrachten wir diesen Fall genauer: „Rechnungsbeschwerde im Stadtwerk: Welche Informationen der Kundenservice sofort braucht“.
Welche Rolle KI im Kundenservice spielen kann
Die größten Probleme entstehen häufig nicht im Kontaktkanal selbst, sondern an den Übergängen zwischen Eingang und Bearbeitung.
Typische Beispiele sind: Künstliche Intelligenz kann die Bearbeitung komplexer Kundenanliegen zusätzlich unterstützen.
Sinnvolle Einsatzfelder sind beispielsweise:
- Automatische Klassifizierung von Anfragen
- Zusammenfassung von E-Mails oder Gesprächsnotizen
- Erkennung fehlender Informationen
- Analyse von Kundenhistorien
- Vorschläge für nächste Prozessschritte
- Erstellung von Antwortentwürfen
- Identifikation wiederkehrender Muster
Dabei ersetzt KI nicht die fachliche Entscheidung. Sie unterstützt Mitarbeitende dabei, schneller auf relevante Informationen zuzugreifen und fundierte Entscheidungen zu treffen.
Welche Fragen Stadtwerke vor der Automatisierung beantworten sollten
Bevor Prozesse automatisiert werden, sollten zunächst die bestehenden Abläufe analysiert werden.
Wichtige Fragen dabei sind:
- Welche Kundenanliegen treten regelmäßig auf?
- Welche davon folgen klaren Standardprozessen?
- Welche erfordern individuelle Bearbeitung?
- Welche Informationen werden für die Bearbeitung benötigt?
- In welchen Systemen liegen diese Informationen?
- Welche Prozessschritte wiederholen sich regelmäßig?
- Wo entstehen Medienbrüche und manuelle Übergaben?
- Wo fehlt Transparenz über den Bearbeitungsstand?
Erst auf dieser Grundlage lässt sich sinnvoll entscheiden, welche Schritte automatisiert oder digital unterstützt werden können.
Automatisierung beginnt daher nicht mit Technologie, sondern mit einem klaren Verständnis der Prozesse.
Digitale Formulare, E-Mails und Kundenportale sind wichtige Bausteine eines modernen Kundenservice. Ihren vollen Nutzen entfalten sie jedoch erst dann, wenn sie in durchgängige Prozesse eingebunden sind.
Gerade bei individuellen Kundenanliegen liegt der größte Hebel nicht in der vollständigen Automatisierung von Entscheidungen. Entscheidend ist die strukturierte Steuerung wiederkehrender Prozessschritte: von der Erfassung und Zuordnung über die Aufgabensteuerung bis hin zur Dokumentation und Rückmeldung.
So reduzieren Stadtwerke manuelle Aufwände, schaffen Transparenz und verkürzen Bearbeitungszeiten. Mitarbeitende gewinnen mehr Zeit für die fachliche Klärung und die persönliche Kommunikation mit Kundinnen und Kunden.
Der Kundenservice wird nicht dadurch digital, dass Anfragen online eingehen. Er wird digital, wenn aus jeder Anfrage ein nachvollziehbarer und effizient gesteuerter Vorgang entsteht.
FAQ: Kundenservice im Stadtwerk digitalisieren
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Warum reichen digitale Formulare und Kundenportale allein nicht aus?
Digitale Eingangskanäle erleichtern die Kontaktaufnahme, automatisieren aber nicht automatisch die Bearbeitung. Erst durch strukturierte Prozesse und eine systemgestützte Vorgangssteuerung entsteht ein durchgängiger digitaler Kundenservice.
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Welche Kundenanliegen lassen sich im Stadtwerk automatisieren?
Besonders gut eignen sich wiederkehrende Prozessschritte wie die Erfassung von Anfragen, die Zuordnung zum Kundenkonto, die Klassifizierung von Anliegen, die Aufgabenverteilung oder die Statusverfolgung. Fachliche Entscheidungen bleiben dabei weiterhin bei den Mitarbeitenden.
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Welche Rolle spielt ein CRM im Kundenservice von Stadtwerken?
Ein CRM bündelt Kundeninformationen, Vorgänge, Aufgaben und Kommunikationshistorien in einer zentralen Oberfläche. Dadurch erhalten Mitarbeitende einen vollständigen Überblick über Kundenanliegen und können Prozesse effizient steuern.
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Können auch komplexe Kundenanliegen digital unterstützt werden?
Ja. Auch wenn Anliegen wie Tarifwechsel, Rechnungsrückfragen oder Beschwerden häufig individuelle Prüfungen erfordern, lassen sich viele Prozessschritte standardisieren und digital unterstützen.
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Wie kann KI den Kundenservice im Stadtwerk unterstützen?
KI kann beispielsweise Anfragen klassifizieren, Informationen zusammenfassen, Antwortvorschläge erstellen oder nächste Prozessschritte empfehlen. Die fachliche Bewertung und Entscheidung verbleiben jedoch bei den Mitarbeitenden.
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Was ist der erste Schritt zur Digitalisierung von Kundenprozessen?
Vor der Auswahl von Technologien sollten Stadtwerke ihre bestehenden Abläufe analysieren. Nur wenn Prozesse, Zuständigkeiten und Datenflüsse transparent sind, lässt sich sinnvoll entscheiden, welche Schritte digitalisiert oder automatisiert werden können.
Verfasst von
Dirk Redlich ist Product Business Owner Utilities bei Arvato Systems mit fast 25 Jahren Erfahrung in der Entwicklung von IT-Lösungen. Sein technisches Fachwissen setzt er ein, um die digitale Transformation in der Energie- und Versorgungswirtschaft voranzutreiben. Sein besonderes Augenmerk liegt dabei auf CRM-Prozesse.