AdobeStock_1905174208_tiny

KI-Governance: So bleiben KI-Agenten steuerbar

Risikoklassen, Kontrollen, Azure

KI-Governance by Design: Die Steuerung intelligenter Systeme
20.10.2026
Datenmanagement
Künstliche Intelligenz
Microsoft Azure
Security

Eine Black Box reicht nicht. Wer KI-Agenten produktiv einsetzt, muss deren Aktionen steuern und ihre Entscheidungen erklären können. Wir zeigen, wie KI-Governance von Beginn an in der Architektur verankert wird: durch Risikoklassen, abgestufte Kontrollen und eine Azure-Referenzarchitektur.

Klassische Software tut, was im Code steht. KI-Systeme, insbesondere KI-Agenten, nutzen ihre Freiheitsgrade situativ. Das macht sie leistungsfähiger, aber schwerer zu kontrollieren. KI-Governance darf deshalb kein Punkt auf der Checkliste kurz vor dem Go-live sein. Sie gehört von Anfang an zur Architektur.

Warum KI-Governance andere Kontrollen braucht

Intelligente Systeme benötigen erweiterte Möglichkeiten zur Steuerung, Kontrolle und Nachvollziehbarkeit. Unser Ansatz: Nicht jede Aktion eines KI-Systems wird gleich behandelt. Je nach Kontext und Risiko wird sie automatisch freigegeben, durch Regeln abgesichert, an eine zusätzliche Freigabe gebunden oder blockiert. Das berücksichtigt sowohl gesetzliche Vorgaben als auch unsere Erfahrung aus Kundenprojekten.

Vier Prinzipien für KI-Governance by Design

  1. Keine KI hat mehr Autorität als der Nutzer oder der Geschäftsprozess, in deren Auftrag sie handelt.
  2. Harte Sicherheits- und Geschäftsregeln werden deterministisch und außerhalb der Agenten durchgesetzt.
  3. Autonomie wächst nur in dem Maß, in dem Auswirkungen begrenzt, beobachtbar und reversibel sind.
  4. Zusätzlich zu üblichen Kontrollen sorgen Data-Science-Methoden dafür, dass Systeme und deren Output beherrschbar und erklärbar bleiben.

Diese Prinzipien gelten unabhängig von Plattform, Modell und Use Case, für klassische wie für generative KI.

Risikoklassen für KI-Systeme: Kontrolle nach Wirkung

Jede Aktion, die ein KI-System ausführen kann, wird einer von fünf Risikoklassen zugeordnet:

  • Klasse 0 – Suchen, Lesen freigegebener Daten: automatisch erlauben, protokollieren, stichprobenartig prüfen.
  • Klasse 1 – Entwurf erstellen, Ticket ergänzen, internen Datensatz aktualisieren: deterministische Policy sowie Schema- und Business-Rule-Validierung.
  • Klasse 2 – E-Mail versenden, kleinere Anträge stellen, Kundendaten exportieren: Step-up-Policy, Grenzwerte, gegebenenfalls Nutzerbestätigung.
  • Klasse 3 – Berechtigungen ändern, Angebote erstellen, kostenintensive Aktionen, Bulk-Löschung: Vier-Augen-Prinzip, Human Approval oder definierter Workflow.
  • Klasse 4 – Policy-Umgehung, Privilege Escalation, unzulässige Datennutzung: blockieren und als Security Event behandeln.

So laufen unkritische Aufgaben reibungslos, während kritische Entscheidungen in menschlicher Verantwortung bleiben. Aktionen der Klasse 4 sind keine Aufgaben für die Automation.

Welche Informationen eine Governance-Entscheidung braucht

Ob eine Aktion zulässig ist, hängt von mehr ab als vom Tool-Aufruf selbst. Relevant sind unter anderem:

  • Identität von Nutzer und Agent sowie das Mandat des Agenten
  • Versionen von Agent, Prompt, Modell und Tool
  • aufgerufenes Tool, Operation, Parameter, Zielressource und Destination
  • Art der betroffenen Daten und Herkunft entscheidungsrelevanter Informationen
  • Reversibilität und Idempotenz der Aktion
  • Session, Trace-ID und anwendbare Policy-Versionen

So bleibt nachvollziehbar, warum ein System etwas darf, warum nicht oder warum eine zusätzliche Freigabe nötig ist.

KI-Governance ganzheitlich umsetzen: Klassische und Data-Science-Kontrollen im Zusammenspiel

Keine einzelne Maßnahme reicht aus. Wirksam wird KI-Governance, wenn beide Welten zusammenarbeiten:

  • Klassische Instrumente: IAM/RBAC, Policies, Gateways und Rate Limits, Secret Management, Tool- und API-Kontrollen, Freigabe- und Eskalationspfade, Monitoring und Audit-Trails, Verschlüsselung.
  • Data-Science-Instrumente: Guardrails, Anonymisierung und Redaction, Drift Detection, Schutz vor der Rekonstruktion von Trainingsdaten, Fraud Detection, Human-in-the-Loop, Model Fingerprinting, Evaluation und Testing sowie Transactions und Time Travel, damit Fehlentscheidungen rückgängig gemacht werden können.

Dabei setzen wir sowohl auf Open-Source-Lösungen als auch auf Services unserer Technologiepartner.

Beispiel: Wissensmanagement mit KI-Agenten in Microsoft Azure

Wissensmanagement mit KI-Agenten

Eine einfache Referenzarchitektur zeigt, wie die Bausteine ineinandergreifen. Weil Nutzer-, Service- und Agent-IDs durchgereicht werden, lassen sich an jeder Stelle differenzierte Entscheidungen treffen:

  • Zugang: Entra ID begrenzt Fragen auf autorisierte Nutzer, der Zugriff läuft über eine definierte Schnittstelle, virtuelle Netzwerke schirmen das System ab.
  • Eingang: Input Guardrails erkennen semantisch schadhafte oder unerwünschte Anfragen, etwa Prompt Hacking.
  • Kontext und Datenschutz: Context Engineering legt fest, welche Informationen das System erhält. Ein Anonymisierer maskiert sensible Daten und kann bei besonders kritischen Daten lokal oder in der Private Cloud laufen, bevor der Workflow Azure erreicht.
  • Steuerung: Ein Azure AI Gateway erlaubt Agenten nur freigegebene Tools und Daten und begrenzt den Tokenverbrauch.
  • Ausführung: MCP Server liefern Audit- und Telemetriefunktionen, Azure (Durable) Functions bieten Authentifizierung und Human-Approval-Möglichkeiten.
  • Modelle und Speicher: Selbstgehostete LLMs lassen sich konfigurieren und kontrollieren, Cloud-LLMs bringen eigene Guardrails und Content-Filter mit. Eine Datenbank schützt Agent Memory und Kundendaten.
  • Ausgang: Output Guardrails prüfen Antworten auf sensible oder unerwünschte Inhalte, die De-Anonymisierung erfolgt optional identitätsabhängig.

Was das für Ihr Projekt bedeutet

Sie brauchen Erklärbarkeit, Nachvollziehbarkeit und Steuerbarkeit für jede Komponente im KI-System. Eine Lösung, die fachlich funktioniert, aber nicht kontrollierbar ist, wird im Betrieb zum Risiko. Deshalb denken wir KI-Governance bei der Implementierung von Agenten- und KI-Lösungen von Anfang an mit und setzen sie technisch um. Nur wenn klassische, deterministische und Data-Science-Methoden zusammenwirken, entsteht ein vertrauenswürdiges und steuerbares Gesamtergebnis.

Weiterführende Informationen rund um Daten & KI

Daten & Automatisierung

Wir heben Geschäftsmehrwerte aus der Verbindung von Daten und Automatisierung.

Agentic AI

Arvato Systems bringt Agentic AI in Ihre Prozesse: Jetzt Termin vereinbaren.

Data Governance

Data Governance Workshop von Arvato Systems. Datenqualität & Datensicherheit herstellen – Unternehmenserfolg sichern ✓ Jetzt informieren!

Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz hebt IT auf ein neues Level!

Generative KI

Generative AI wie ChatGPT und Midjourney können genutzt werden, um bestehende Wertschöpfungsketten komplett neu zu denken. Arvato Systems unterstützt Sie dabei.

Verfasst von

Deniz 1
Deniz Halicioglu
Experte für KI-Governance

Deniz Halicioglu ist Senior AI Engineer bei Arvato Systems. In dieser Rolle setzt er seine langjährigen Erfahrungen in den Bereichen Systemarchitektur, Data Science und Cloud Computing ein, um betriebssichere, intelligente Enterprise Systeme zu entwerfen und auszuliefern.