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Gefälschte Nahrungsergänzungsmittel sicher erkennen

Nahrungsergänzungsmittel boomen - Augen auf beim Kauf!

Produktfälschungen im Bereich Nahrungsergänzungsmittel
27.07.2021
Gesundheitswesen & Pharma
Handel & Konsumgüter
E-Commerce
Fälschungssicherheit

Nervenstörungen, Lichtempfindlichkeit oder Kopfschmerzen - Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) kann Nebenwirkungen haben, die bestenfalls unangenehm sind, schlimmstenfalls gesundheitsgefährdend. Besonders riskant für Verbraucher:innen sind dabei gefälschte und nicht zugelassene Produkte, die über das Internet oder nicht-autorisierte Vertriebswege auf den Markt kommen. Warum der Markt für schwarze Schafe attraktiv ist, liegt auf der Hand: Alleine in Deutschland wurden 2020 1,35 Milliarden Euro mit Nahrungsergänzungsmitteln umgesetzt.


Eine im Jahr 2018 in Auftrag gegebene Studie des Arbeitskreises Nahrungsergänzungsmittel ergab, dass 30 Prozent der Erwachsenen in Deutschland regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel  konsumieren – mit steigender Tendenz. Die Einsatzgebiete sind dabei vielseitig: Verbesserung von Gesundheit und Fitness, Wettkampfvorbereitung von Hobby- und Profi-Sportler:innen, Lifestyle-Optimierung oder auch im Wellness Bereich. Auch Veganer:innen und Vegetarier:innen greifen häufig zu Nahrungsergänzungsmitteln. Aber ist die Einnahme immer eine gute Idee?

Nahrungsergänzungsmittel: Lebensmittel oder Medikament?

Nahrungsergänzungsmittel - Lebensmittel oder Medikament - Arvato Systems Blog

Per Definition sind Nahrungsergänzungsmittel Lebensmittel und keine Medikamente. Sie unterliegen also der Kontrolle und den Standards, die auch für Nahrungsmittel gelten, müssen aber weder eine medizinische Zulassung durchlaufen noch Studien zur Wirksamkeit vorlegen. So dürfen Nahrungsergänzungsmittel auch nicht in den natürlichen Stoffwechsel des menschlichen Körpers eingreifen, sondern ihn höchstens bei seiner „Arbeit“ unterstützen.

Im Gegenzug besteht bei Nahrungsergänzungsmitteln aber anders als bei herkömmlichen Lebensmitteln immer die Gefahr einer Überdosierung. An empfohlene Höchstmengen der Wirkstoffe, wie sie vom Bundesinstitut für Risikobewertung vorgegeben werden, sollten sich Hersteller zwar halten, gesetzlich dazu verpflichtet sind sie allerdings nicht. Da hierzulande der Großteil der Nahrungsergänzungsmittel ohne jede Beratung in Drogerien und Supermärkten verkauft wird, besteht ein nicht unerhebliches Risiko für Verbraucher:innen. Noch riskanter ist der wachsende Absatz über das Internet, dessen Anteil am Markt 2019 für Nahrungsergänzungsmittel immerhin schon bei rund 20 Prozent lag. Denn hier fehlt nicht nur die Beratung, sondern auch jegliche Kontrolle darüber, ob die angebotenen Produkte überhaupt geprüft und für den deutschen Markt zugelassen sind. So hatte das Hauptzollamt Nürnberg bereits im Mai diesen Jahres die gleiche Anzahl an gefälschten Präparaten aus dem Verkehr gezogen wie im gesamten Jahr 2020.

Augen auf beim Kauf von Nahrungsergänzungsmitteln!

Was können Verbraucher:innen tun, um sich im Dschungel der Angebote zurecht zu finden? Neben den unübersichtlichen Artikelmengen in Drogerien, Supermärkten und Apotheken kommen dann noch Produkte wie beispielsweise aus dem Fitnessstudio und natürlich dem Internet hinzu. Besonders hier kann es riskant werden, da vermehrt gefälschte oder falsch deklarierte und somit potenziell gesundheitsgefährdende Nahrungsergänzungsmittel verkauft werden.


Deshalb empfehle ich:

Seien Sie skeptisch bei unrealistischen Versprechen. Eine Gewichtsabnahme in wenigen Tagen oder Leistungssteigerungen für Wettkämpfe nur auf Basis von Nahrungsergänzungsmitteln sind wenig seriös.
Achten Sie auf die Kennzeichnungen auf den Verpackungen. In Deutschland müssen unter anderem die Zutaten, Nähr- bzw. Wirkstoffgehalt, ggf. vorhandene Allergene, Angaben zu Hersteller und Verpacker angegeben sein. Das gilt auch für den Vertrieb über das Internet.
Gute Adressen für mehr Information und Beratung sind die Verbraucherzentralen, die Sie auch online finden. Hier können Sie auch Beschwerden vorbringen. Ebenfalls interessant sind die Informationen des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV).
Kaufen Sie keine Produkte aus dem Ausland oder aus wenig vertrauenswürdigen Quellen. Auch bei Schnäppchen und Rabatten sollten Sie hellhörig werden.
Bevor Sie Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, sprechen Sie mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin. Oftmals besteht keine Unterversorgung mit Vitaminen oder Nährstoffen. Kurzzeitiger Bedarf, etwa nach Krankheiten oder in den Wintermonaten, kann meist schon durch eine ausgewogene Ernährung aufgefangen werden.

Mit Digitalisierung den Fälschern das Handwerk legen

Zum Schluss soll uns noch ein Blick auf Russland zeigen, wie bereits heute andere Länder das Problem mit gefälschten oder nicht zugelassenen Nahrungsergänzungsmitteln angehen. In Russland verfolgt man beispielsweise jede Transaktion von ausgewählten Produkten über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg.


Dafür werden Verpackungen in Versandkartons mit eigenem „Serial Shipping Container Code“ (SSCC) verpackt, dem die Seriennummern der im Karton enthaltenen Produktpackungen zugewiesen sind. Auf diese Weise lässt sich der Sendeverlauf sicher und lückenlos erfassen. Ein so genannter Krypto-Code, ein Verschlüsselungsverfahren auf Basis russischer Krypto-Technologie, sorgt zusätzlich für Möglichkeiten zur Verifikation.

Fazit

Nahrungsergänzungsmittel können viel Gutes bewirken. Absolut entscheidend dafür sind aber neben einer sachgerechten Einnahme vor allem saubere, geprüfte und für die Bundesrepublik zugelassene Produkte. Hier sind die zuständigen Behörden aufgerufen, den schwarzen Schafen des Marktes das Handwerk zu legen und Bestellmöglichkeiten über das Internet zu kontrollieren – eine schwierige, aber auch notwendige Aufgabe zum Schutz unserer Gesundheit.

Aufzeichnung Websession: Digital Identity Food & Nahrungsergänzung

Ab 2022 gilt: "Food & Food Supplements" müssen verpflichtend bestimmte Serialisierungsmerkmale für den Export nach Russland tragen. Dabei gilt das zentrale russische Track & Trace System als eines der komplexesten weltweit.

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Arvato CSDB

Die Serialisierung von Medikamentenverpackungen ist verpflichtend - Arvato System hat eine erprobte, sichere IT-Lösung zur Verifikation.

Quellen

Verfasst von

MA_Carl Rainer Stetter_Commerce
Carl-Rainer Stetter
Experte für Fälschungssicherheit