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Die Digitalisierung: Wichtige Verbündete im Kampf gegen gefälschte Medikamente

Das große Geschäft mit den kleinen Pillen

Das gefährliche Geschäft mit gefälschten Medikamenten
20.04.2021
Gesundheitswesen & Pharma

Gefälschte Medikamente sind im schlimmsten Fall lebensgefährlich – im besten Fall bleiben sie einfach wirkungslos. In jedem Fall aber kosten sie der Volkswirtschaft Milliarden. Aus diesem Grund gehört die Fälschungssicherheit von Pharma- und Medizinprodukten auf die (gesellschafts-) politische Agenda.


Nicht erst mit Ausbruch der Corona-Pandemie nimmt der Handel mit gefälschten Medikamenten massiv zu. Plagiate werden längst nicht nur im Internet gehandelt, sondern auch über Großhändler und das Apothekennetz in die legale Vertriebskette eingeschleust. Dafür werden Vertriebs- und Lieferunterlagen gefälscht und die Produkte an die ahnungslosen Großhändler verkauft. Immer undurchsichtiger werden diese Handelswege außerdem, wenn sie über Ländergrenzen hinweg führen. Das gilt sowohl innerhalb der EU als auch über deren Grenzen hinaus.

Das große Geschäft mit den kleinen Pillen

Das Geschäft mit Medizinprodukten ist lukrativ. So stellte Europol beispielsweise im März 2019 bei einem einzigen Einsatz gefälschte Präparate im Wert von 165 Millionen Euro sicher. (Quelle)


Im vergangenen März sperrte die Organisation 250 Links zu Webseiten, über die illegale Produkte vertrieben wurden. Regelmäßig sind vergleichbare Meldungen zu lesen, die es jedoch selten in die Nachrichten und damit in die Aufmerksamkeit von Verbraucher:innen und Verantwortlichen schaffen. Dabei ist der Markt für den Medikamentenhandel riesig: Laut einer aktuellen Studie des Branchenverbands Bitkom kaufen 58% der Deutschen ihre Arzneien online – Tendenz steigend. (Quelle)


Jährlich gibt man hierzulande rund 400 Milliarden Euro für Medizin aus. (Quelle) Wen wundert es da, dass dieser lukrative Markt auch illegale Geschäftemacher anzieht? Selbst Billigprodukte wie etwa Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin C versprechen den Fälschern noch ausreichend Marge, um sich an dem großen Geschäft zu beteiligen.

Wirkungslos, verunreinigt, lebensgefährlich!

Gefälscht wird demnach alles, was Profit verspricht: vom Vitaminpräparat über Potenzpillen bis zum Krebsmedikament. Zu unterscheiden sind dabei folgende Kategorien:

  • Medikamente ohne jede Wirkung
  • Produkte mit zu hoher oder zu niedriger Wirkung
  • Arzneimittel mit falschen Inhaltsstoffen
  • Verunreinigte und unhygienisch abgepackte Präparate
  • Falsche Verpackungen und / oder Beipackzettel
  • Kopien von Originalprodukten

Gefälscht werden im großen Stil aber auch Verpackungen, Etiketten und Label, die den Abnehmern vorgaukeln, die Inhalte seien original und geprüft. Nach Zigaretten und Spielsachen verletzt diese Produktgruppe am dritt häufigsten die Urheberrechte der rechtmäßigen Hersteller, wie eine Erhebung der EU von 2019 belegt. (Quelle)
 


Schaden für Gesundheit, Wirtschaft und das Gemeinwohl

Die gefälschten Medikamente schaden aber nicht nur denen, die sie einnehmen. Auch betriebs- und volkswirtschaftlich ist das Problem groß: Seriösen Pharmaunternehmen, Herstellern, Zwischenhändlern und Importeuren entgehen hierdurch Milliarden. Zusätzlich zerstören wirkungslose oder gesundheitsgefährdende Plagiate weltweit bekannter Mittel die Reputation der Originale. Last but not least, entgehen dem Staat nicht nur Steuern, wenn gefälschte Medikamente online gekauft werden, sondern es entstehen im schlimmsten Fall Kosten in der Gesundheitsversorgung, wenn Patient:innen nach der Einnahmemedizinisch betreut werden müssen. Schon aus diesem Grund müssten die verantwortlichen Institutionen einnoch stärkeres Interesse an der Fälschungssicherheit von Medizinprodukten haben. Hersteller von Markenprodukten setzen deshalb heute verstärkt auf technische Sicherungsmittel zum Kopierschutz sowie zur Authentizitätsfeststellung und Vertriebskontrolle ihrer Waren. Aber Sicherheitszeichen wie das GS-Zeichen oder die CE-Kennzeichnung als Marktkonformitätszeichen sind leider längst kein Indiz mehr für Originalprodukte. Diese Zeichen werden ebenso häufig gefälscht wie die Originalprodukte selbst. (Verbraucher:innen finden unter www.produktpiraterie.org Zugang zu Datenbanken und Einkaufshilfen für geprüfte Produkte.) Und so ist eine wichtige Verbündete im Kampf gegen gefälschte Medikamente die Digitalisierung. Dank ihrer werden etwa die seit Februar 2019 geltenden Erkennungsmerkmale verschreibungspflichtiger Arzneimittel mittels eines Datamatrixcodes und Datenbankabgleichs möglich. In Deutschland heißt das System für die Echtheitsprüfung von Arzneimitteln SecurPharm. Nutzer des Systems sind Krankenhäuser, Apotheken aber auch Großhändler und Pharmaunternehmen. Weitere Merkmale wie Logistiksiegel oder Farbpigmente sind nur mit entsprechenden Lesegeräten durch die Behörden, wie beispielsweise dem Zoll, lesbar. Andere, wie z. B. Hologramme oder Erstöffnungssiegel, sind auch für Endverbraucher:innen erkennbar. 

Mit Digitalisierung den Fälschern das Handwerk legen: Beispiel Russland

Ein Blick über die Ländergrenzen zeigt, wie andere Nationen das Problem angehen. So unternimmt etwa Russland Vorstöße, die weit über die Barcode-Lösung hinausgehen. In Russland verfolgt man jede Transaktion der Produkte über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg. Dafür werden Medikamentenpackungen in Versandkartons mit eigenem Serial Shipping Container Code (SSCC) verpackt, dem die Seriennummern der im Karton enthaltenen Produktpackungen zugewiesen sind. Auf diese Weise lässt sich der Sendeverlauf sicher und lückenlos erfassen. Ein so genannter Krypto-Code, ein Verschlüsselungsverfahren auf Basis russischer Krypto-Technologie, sorgt zusätzlich für Möglichkeiten zur Verifikation.

Tracking-Methoden für mehr Schutz

Die russischen Serialisierungssysteme zeigen die Möglichkeiten, die die Digitalisierung bietet, um den Medikamentenfälschern das Leben schwerer zu machen. Für Endverbraucher:innen sind mittelfristig außerdem Apps denkbar, wie man sie heute schon kennt und nutzt, um etwa Inhaltsstoffe in Kosmetikartikeln oder Produktionsbedingungen von Kleidungsstücken nachzuverfolgen. Die technischen Möglichkeiten sind also vorhanden, um auch den Handel mit Medikamenten transparenter und damit sicherer für uns alle zu machen.


Übrigens: Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob das Medikament, das Sie in den Händen halten, auch tatsächlich ein Original ist, gehen Sie zur nächsten Apotheke. Die Apotheker:innen vor Ort können sich direkt mit der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker oder dem Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker in Verbindung setzen. Sie sind die Hauptansprechpartner der Apotheken für den Umgang und die Untersuchung von Verdachtsfällen von Arzneimittelfälschungen, rät die ABDA.

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Verfasst von

MA_Carl Rainer Stetter_Commerce
Carl-Rainer Stetter
Experte für Fälschungssicherheit